Forum für Philosophie und Politik
Ich verstehe Luisas Dankbarkeit ein bisschen so, wie ich auch angefangen habe, über Liebe nachzudenken: als Fähigkeit, nicht so sehr als Gefühl (hier https://annenewballduke.substack.com/p/16-politik-und-liebe-in-zeiten-rechter habe ich erst vor Kurzem darüber geschrieben). Zuvor habe ich Luisas Dankbareit oft als etwas „Zementiertes“ verstanden: geh nicht zurück in negative Ansätze und such nicht den Widerspruch, wenn du dich auf deine Mutter beziehst: zementier einfach das Fundament der Dankbarkeit ein und gut ist! Jetzt verstehe ich, dass die Dankbarkeit als Fähigkeit verstanden, gerade die Möglichkeit eröffnet, in die Abgründe (also der Blick ist gerade nicht zuzementiert) dessen zu schauen, was auch unsere Mütter an patriarchaler Overdosis erfahren mussten und unweigerlich in sich tragen, ob für sich selbst bewusst gemacht oder nicht, und egal auch, ob sie sich dagegen auf ihre Art auflehnten. In welcher je konkreten Form auch immer wird ihre patriarchale Erfahrung in ihrer Erziehung an uns Töchter weitergegeben. Die Dankbarkeit als Fähigkeit verstanden, schützt im Grunde vor der Psychologisierung. Ich mag die Vorstellung einer Genealogie „unter mir“, also viele Generationen in die Vergangenheit hineinreichend, in der nicht nur die Verletzungen durch das System, sondern auch all die Freiheiten aufschimmern, die jede Frau für sich und sicher auch gemeinsam mit anderen in freudige und einfach gute Gefühle versetzt haben. Wenn ich gedanklich dieser Spur und Energie der guten Gefühle folge, dann erhöht sich auch wiederum meine Fähigkeit zur Dankbarkeit.
Artikel: Durch Selbstbewusstsein zu Wohlbehagen, Freiheit und Handeln, 3
Ich kenne Jane Austens „Überredung“ nicht, aber spontan kam mir in den Kopf, dass Anne Elliot – so hieß sie wohl im Original – diese Zeit für sich gebraucht hat. In der Fortsetzung von „Anne of Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery wird DIESE ;) Anne von Gilbert – den Mann, den sie später auch heiraten wird, mit etwa 17 Jahren gefragt, ob sie ihn heiraten will. Und sie denkt, dass sie ihn nicht liebt (sie hat noch zu eine verquere Vorstellung von romantischer Liebe), und sie folgt ihrem inneren Begehren: sie sagt zu ihm, dass das (außerdem) nicht der richtige Zeitpunkt ist. Sie hat so viele Pläne für sich selbst! Sie will ihre eigenen Erfahrungen machen als Lehrerin, sich ihr eigenes Wissen aneignen als Studentin usw. Nun kann Jane Austens Anne all diese „öffentlichen“ Erfahrungen und Wissensaneignungen nicht machen, aber ich habe ChatGPT (psst) gefragt, und sie hat in den acht Jahren anscheinende tiefe innere Wandlungen und Erkenntnisse – unsichtbar für die Welt – gehabt. (Welche genau, würde mich noch interessieren, aber dann müsste ich das Buch lesen und mir selbst ein Bild machen.) Insofern hat Lady Russel sie vielleicht unbewusst vor einer zu frühen Heirat bewahrt. Lucy Maud Montgomerys Anne hatte ähnliche Mutterfiguren, die widersprüchliche Ratschläge gaben, was die frühe Heirat mit Gilbert angeht. Aber diese Anne ist selbstbewusst und hat Pläne für sich. Ihre Liebe für die Welt materialisiert sich in diesem Moment noch nicht in der Liebe zu einem Mann, sie strebt selbst zu öffentlicher Anerkennung. Ich weiß nicht… ich mag die Vorstellung, dass Lady Russell Anne indirekt geholfen hat, die Liebe sich für sich selbst noch mehr zu entwickeln und zudem einfach zu verstehen, was Liebe noch alles umfassen kann außer die romantische Liebe zu einem Mann. Da Anne nicht bitter wird und alle hässlichen Kommentare und Meinungen über sie (ihre Schönheit verblasse, ist anscheinend einer dieser Kommentare) an ihr abprallen, deutet darauf hin, dass ihr diese Zeit guttut. Vielleicht weiß sie ganz im Inneren, dass es doch der richtige Ratschlag von ihrer Mutterfigur gewesen ist, einfach weil sie die „spätere“ Liebe zum Mann aus einer anderen, einer festen und selbstbewussten inneren Position heraus leben kann; ich denke, auch sie hat diese Entwicklungsprozess gebraucht. Nicht alle Entwicklungsprozesse zeigen sich eben – so wie bei Lucy’s Anne – in einem „handfesten“ Ergebnis, einer gesellschaftlich anerkannten Rolle, für alle sichtbar. Ich will damit nicht sagen, dass alle Ratschläge von Mutterfiguren immer um 100 Ecken gebogen am Ende richtig sind! Das war nur mein Gefühl beim Lesen eben, dieses spezielle Mutter-Tochter-Paar betrachtend. Und ich finde interessant – auch in Hinsicht auf den Kommentar, den „endolexi“ unter den ersten Teil dieses tollen Vortrags von Luisa schrieb – danke Dorothee!! – dass Antjes Gedanke, dass Gesetze weder Grundlage noch hinreichende Beschreibungen von Freiheit, gerade auch weiblicher, sein können, hierzu auch passen, im Sinne von: wie viel Öffentlichkeit braucht eine Frau, um weibliche Freiheit leben zu können?
Artikel: Durch Selbstbewusstsein zu Wohlbehagen, Freiheit und Handeln 2
Liebe Dorothee Dein Anliegen in der Göttin Ohr! Leider vertrauen sich auch in diesem ach so sensibilisierten Kontext nicht alle Frauen dem Urteil einer anderen Frau an und vertrauen auf deren Expertise! Mit konsterniertem Gruss Esther.
Artikel: „Affidamento“ - sich dem Urteil einer anderen Frau anvertrauen
Die Erweiterung von Norwegern auf Menschen macht Zugehörigkeit unabhängig von nationalen Grenzen. Ergänzen ließe sich, dass diese Offenheit auch Menschen einschließen sollte, die ihre Liebe oder ihren Glauben nicht öffentlich benennen möchten.
Artikel: Blitzlicht
Danke für diese Impulse zur Dankbarkeit! Besonders das Danke für den beginnenden Tag fand ich sehr schön. Ich lese auch immer wieder, dass wir durch diese Haltung vor allem uns selbst etwas Gutes tun: https://mariahusch.com/dankbarkeit-magische-wirkung-erfolg/ https://wellness.doktorabc.com/de/lebensart/dankbarkeit-tut-gut-aber-macht-sie-auch-gesund/
Artikel: Die Gabe der Dankbarkeit
Von Dr. Thomas Loer habe ich gerade noch diesen Hinweis erhalten, den ich direkt weitergebe, da er vermutlich von Interesse ist: "Der Gegensatz von Muße und Freizeit und ihre Verwechslung waren ja schon lange Thema in der Tradition der Frankfurter Schule, bei Adorno und auch bei Habermas. Zu Muße siehe des Neueren: Oevermann, Ulrich. 1996. „Krise und Muße. Struktureigenschaften ästhetischer Erfahrung aus soziologischer Sicht", Frankfurt/M. (http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/4953) Oevermann, Ulrich. 2004. „Krise durch Muße – Untersuchungen zur Struktur ästhetischer Erfahrung am Beispiel von Freuds Studie zum Moses des Michelangelo [Tpskr., 27 S.]", Oktober 28. und, daran anschließend: Czarny, Moritz. 2022. „Zum Phänomen der Muße – bildungs- und professionstheoretische Perspektiven". S. 235–51 in: Dem Phänomen auf der Spur, herausgegeben von K. Bromberg und K. Kraimer. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. Czarny, Moritz. 2025. Muße – eine pädagogische Studie. Bildungstheoretische, professionslogische und fallrekonstruktive Perspektiven. Edition Professions- und Professionalisierungsforschung. Wiesbaden [Heidelberg]: Springer VS."
Artikel: Otium fürs Volk!
Hier ein Auszug aus dem bereits erwähnten Buch von Guy Standing "The Politics of Time": "Leisure as time off labour was a dismal replacement for the leisure eulogized by the ancient Greeks and Romans. It was permitted recreation. And when it began to expand during the twentieth century, it was intended to enable labouring families to spend more money to keep the economy growing. But if you could neither labour nor consume, you were increasingly likely to be dubbed 'lazy' and 'scrounging off the state'. If leisure is interpreted as private recreation, entertainment and consumption, it not only loses its subversive, solidaristic, public place in the allocation of time. It means that leisure as SCHOLE is marginalized to the point where politics can be converted into a voluntary, superficial form of consumption itself. Quality time is necessary to participate as an active political citizen. One of the scarcely noticed outcomes of the transformation of leisure into recreation-and-consumption time was that political messaging gradually became 'dumbed down', converted into a zone of commodification commanded by advertising minds. The average number of words on a political message shrank, and political soundbites became shorter and more platitudinous. It was to become much worse under tertiary time." Es kann eben wirklich nicht um (mehr) FREIZEIT gehen!
Artikel: Otium fürs Volk!
Gern
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Liebe Marita, - ich finde deinen Kommentar ungeheuer wichtig und glaube, du hast 100% recht. Möchtest du das vielleicht zu einem ganzen Artikel ausarbeiten? Dann bekäme es mehr Aufmerksamkeit!
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Ich teile Antjes kritische Frage nach der Reduzierung feministischer Anliegen auf das Gewaltthema. Seit ewig ist mir das ein Stolperstein. In meinem neuen Buch „Erdbeeren und Dosenmilch. nachdenken über die Welt“ (https://buchshop.bod.de/erdbeeren-und-dosenmilch-marita-blauth-9783696711306) denke ich u.a. über Gewalt von Männern* gegenüber Männern* als Teil patriarchaler Gewalt nach. Diese Gewalt dient, ebenso wie die Gewalt gegenüber Frauen, queeren und transMenschen, der Aufrechterhaltung der Rollenbilder, was „richtige Männer“ sein sollten. Mehr noch: Sie dient der gewaltvollen Selbstbestätigung von Identitäten: Die prinzipielle Vorstellung des „richtigen“ Geschlechts dürfe nicht in Frage gestellt werden und solle am besten bei jeder Person von außen eindeutig erkennbar sein. Ein Aspekt eines "richtigen Mannes" ist das Bild „Männer sind keine Opfer!“ Dies halte ich für den stärksten patriarchalen Mythos, der gerade in kriegsrüstender Gegenwart neue Konjunktur erfährt. Männliche Kriegsopfer müssen den Heldentod sterben. Sie sollen Helden, aber keine Opfer sein. Wenn Männern die Chance und Fähigkeit zur Empathie systematisch abtrainiert, abgewertet und abgesprochen wird, müssen sie, wie der Siegfried der Nibelungenerzählung, im Blut des besiegten Feindes baden, um sich unverletzbar zu machen. Die argentinisch-brasilianische Anthropologin Rita Segato spricht davon, dass Männer die ersten Opfer des Patriarchats seien, die durch eine grausame „Programmierung“ gehen müssten, um zu beweisen, dass sie ein Mann sind. (Rita Laura Segato: Wider die Grausamkeit. Für einen feministischen und dekolonialen Weg, 2021) Ich bin überzeugt davon, dass es heute nicht mehr ausreicht, die Gewalt der Männer* gegenüber Frauen* als systemische patriarchale Gewalt zu entlarven. Es könnte die neue feministische Herausforderung sein, den Mythos der männlichen Unverletzbarkeit zu verabschieden und damit auch die Gewalt von Männern* gegenüber Männern* als patriarchale Gewalt zu benennen und in das öffentliche Bewusstsein zu rücken, dass alle Menschen verletzlich sind. Wenn die Welt nicht mehr so in „Frauen und Männer“ aufgeteilt wird, dass dazu „Opfer und Täter“ passt, wenn Gewalt nicht mehr an Männer* delegiert würde, was könnte sich verändern? Ich musste für diese Gedanken auch einen alten Abwehrreflex bemerken: Warum sollte mich die Unverletzlichkeit und Würde der Gruppe der Männer*, die selbst für so viel Gewalt verantwortlich sind, kümmern? Es war verführerisch, sich auf der richtigen Seite der Geschichte zu fühlen, weil „wir Frauen“ uns auf der Opferseite gegen „das Patriarchat“ versammeln konnten, als hätten „wir“ damit nichts zu tun. Und merkwürdigerweise: als würde die Anerkennung der Gewalt gegenüber Männern* automatisch die Täterschaften von Männern* und die Gewalterfahrung von Frauen* in Frage stellen. Wenn wir patriarchale Gewalt denn thematisieren, dann wäre die Politisierung der Gewalt von Männern* gegenüber Männern* zukunftsweisende Aufgabe und Hoffnung auf tiefgreifende gesellschaftliche Transformationen.
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
liebe Antje und andere Themen rund um Sex und Gewalt reizen nicht nur unser Mitgefühl, sondern auch die Sensationslüsternheit. Vor 35 jahren erlebte ich einen nie gewesenen Andrang bei einer Veranstaltung zum Thema Frauenhandel. März 26: Tausende Menschen haben in Hamburg für mehr Schutz von Opfern sexualisierter Gewalt demonstriert. Als die Veranstalter*innen an der Hamburger Frauenwoche verkündeten, sie wollen bevor sie eine Diashow zeigen würden, erstmal von uns wissen, wieso uns das Thema so interessieren würde, haben die Frauen vor Wut fast das Podium gestürmt. Vielleicht verbinden viele Leute der "MeToo" Generation, nur diese Themen mit Feminismus und unsere Aufregermedien leisten auch ihren Beitrag. Trotzdem ist natürlich wunderbar, wenn viele - vielleicht das erste Mal in ihrem Leben - an einer feminstischen Demonstration teilnehmen. Was mir zu schaffen macht: Die meisten meinen das Thema würde nur andere betreffen. Niemand in meiner Familie hat mich darin unterstützt über "unsere Missbrauchsgeschichte" zu sprechen - im Gegenteil. Politik in eigener Sache kann eine grosse Herausforderung sein, so machen viele lieber Politik für andere. Wie meine Mutter in ihrer Missionsgruppe.
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Hallo, Bezug nehmend zu „Affidamento“ zu finden in der Präampel der Beginen Im Kloster Maihingen im Nördlinger Ries in Bayern plant die Gemeinschaft “Lumen Christi” einen Beginenhof. Ein gemeinschaftliches Frauenwohnprojekte für Frauen, die sich mit dem Lebensentwurf der Beginen anfreunden können Darum wird es am 26.09. 10:00 – 16:30 Uhr im Kloster Maihingen das erste Beginenwohnprojekt-Treffen geben, für Frauen, die in Gemeinschaft wohnen wollen. Infos: über die Beginen findet man beim Dachverband der Beginen >>> https://www.dachverband-der-beginen.de/startseite über Kloster Maihingen >>> https://www.kloster-maihingen.de Liebe Grüße Michaela Ebert ehrenamtliche Mitarbeitende beim Transformations-Arbeitskreis Kloster Maihingen
Artikel: „Affidamento“ - sich dem Urteil einer anderen Frau anvertrauen
liebe Kathleen, danke für deinen Kommentar. Luisa Muraro gebraucht in diesem Text meistens das Wort riconoscenza, in dem "Anerkennung" mitschwingt. Trotzdem bleibe ich bei "Dankbarkeit", denn es geht ja unter anderem um die Reaktion auf ein riesiges Geschenk, das Leben. Ich verstehe aber das Unbehagen, das das Wort Dankbarkeit auslösen kann, weil da oft Moral, Druck und schlechtes Gewissen mittransportiert werden können. Am wichtigsten ist für mich bei der Dankbarkeit das Annehmen und Ankommenlassen eines Geschenks.
Artikel: Durch Selbstbewusstsein zu Wohlbehagen, Freiheit und Handeln
Liebe Dorothee, vielen Dank für den Text. Er kommt genau zur richtigen Zeit. Beim Herumdenken auf dem Wort Dankbarkeit habe ich mich gefragt, ob es im Italienischen wohl mehrere Wörter gibt, die sich mit Dankbarkeit übersetzen lassen. Und falls ja, welches davon für mich stimmiger bzw. leichter anzunehmen wäre. Und siehe da, es gibt la gratitudine und la riconoscenza. Welches davon hat Luisa Muraro denn verwendet? Ist es eine in Richtung Anerkennung gehende Dankbarkeit?
Artikel: Durch Selbstbewusstsein zu Wohlbehagen, Freiheit und Handeln
Dass die 'äussere Ordnung' nicht alles ist, unterschreibe ich sofort. Mühsam erkämpfte und zu verteidigende Errungenschaften in ihr als weniger ausschlaggebend als die innere Verfasstheit zu betrachten, fiele mir dann zwar nicht ein, aber den Gedanken, dass Gesetze weder Grundlage noch hinreichende Beschreibungen von Freiheit, gerade auch weiblicher, sein können, finde ich sehr einleuchtend, seit ich ihn bei Antje Schrupp gelesen habe. Ich finde sehr spannend, dass klar gesagt wird, dass es für den Mutter-Dankbarkeits-Gedanken keine 'überzeugenwollende' Argumente geben soll. Diese Art des Vermittelnwollens sehe ich, so transparent gemacht, zum ersten Mal: "Schau, wie du dich der Idee annähern kannst, ich werde dich nicht hinschubsen oder locken, es ist ein Angebot", so jedenfalls übersetzt sich mir das. Und das erlaubt mir wiederum, nicht gleich mit erboster Skepsis drüber herzufallen. Ich bin jedenfalls sehr damit einverstanden, dass das Verankern von 'positiven' Gefühlen wie eben Dankbarkeit eine Bewegung sowohl in der einzelnen Person als auch in Gruppen mehr nachhaltiger Kraft und Richtung liefern können als das Kanalisieren von Verletzungen. Nicht immer gelingt das natürlich, je nach Grad der selben.
Artikel: Durch Selbstbewusstsein zu Wohlbehagen, Freiheit und Handeln
Ein weiterer Nachtrag - gerade angeschaut: The Politics of Time: Gaining Control in the Age of Uncertainty https://www.youtube.com/watch?v=mPO2XX7SKKg 0-10:20 Einleitung 10:20-40:20 Guy Standing https://en.wikipedia.org/wiki/Guy_Standing_(economist) 40:20-52 Baroness Ruth Lister https://en.wikipedia.org/wiki/Ruth_Lister,_Baroness_Lister_of_Burtersett 52-1:04 Zack Polanski https://en.wikipedia.org/wiki/Zack_Polanski 1:04-1:30 Diskussion Mit dem Buch bin ich noch nicht durch, soweit aber auch sehr lesenswert: Prof. Guy Standing The Politics of Time - Gaining Control in the Age of Uncertainty https://www.penguin.com.au/books/the-politics-of-time-9780241667163
Artikel: Otium fürs Volk!
Ich schließe mich Adelheids Kommentar an. Wäre gerne zum Treffen der Frauensynode Reloaded gegangen.... zumal ich damals, besonders in der 2. Europäischen Frauensynode in Barcelona (2004) voll involviert war... Wie schön, wenigstens über Dein Referat, liebe Ina, ein bisschen was davon mitzubekommen.
Artikel: Von der Weiberwirtschaft zur Care-zentrierten Ökonomie
Grossartig, vielen Dank für Anregungen und Nachdenkenswertes. Weiter so!
Artikel: Von der Weiberwirtschaft zur Care-zentrierten Ökonomie
Liebe Antje Auch wenn ich deiner These im Grundsatz zustimme, dass die Begriffe weiblich und männlich schwammig sind, halte ich an dieser Differenz fest. Weibliche und männliche Eigenschaften zu definieren hilft mir, diese allen Menschen, unabhängig ihres biologischen Geschlechts zuzuordnen. Die weiblichen Stärken werden den männlichen immer noch untergeordnet. Das ist der grosse Mangel in der Führung von Staaten, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirchen.
Artikel: Die sexuelle Differenz wieder politisch fruchtbar machen
Liebe Antje, jedes Mal lese ich Deine Gedanken - egal wo sie gerade erscheiden - mit großem Genuss und starkem Interesse. Jedes Mal werden dadurch Themen für mich klarer. Und auch Dein Stil gefällt mir gut. Danke! Herzlichen Gruß aus Bad Boll, Irmgard
Artikel: Die sexuelle Differenz wieder politisch fruchtbar machen
Mich hat der Gedanke berührt, dass Trost oft aus den unscheinbarsten Dingen kommt. Nicht aus einer philosophischen Erkenntnis. Nicht aus einem Drei-Gänge-Menü. Sondern aus einer Konservendose, die geduldig 22 Tage lang in einer Schublade hin- und hergerollt ist und ihren großen Auftritt abwartete. Das ist überhaupt eine bemerkenswerte Eigenschaft von Konservendosen. Sie drängen sich nie auf. Sie führen kein glamouröses Leben. Niemand fotografiert sie für Insta. Aber wenn das Leben plötzlich aus den Fugen gerät, stehen sie mit stoischer Gelassenheit bereit und sagen gewissermaßen: „Ich habe Zeit.“
Artikel: Vom Da-sein, wenn nichts mehr da ist
Verzeihung, hier noch ein Nachtrag: Mit genau dem Ziel "Otium für's Volk" haben wir am 1.5.26 folgenden Offenen Brief verfasst: https://bge-rheinmain.org/offener-brief-an-das-bundnis-fur-einen-starken-und-zukunftssicheren-sozialstaat
Artikel: Otium fürs Volk!
Hallo Elena, ich glaube, du beschreibst es gut. Ich bin auch der Meinung, dass Newsletter ein gutes Ding sind, weil die Gruppe auch fokussierter ist, man hat ihn ja aktiv abonniert. Die Veränderungen im Netzfeminismus beobachte ich genau wie du, darüber habe ich gestern in meinem Newsletter geschrieben: https://steady.page/de/antjeschrupp/posts
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Liebe Antje, vielen Dank für Deinen Text. Ich habe nachgedacht, woran es liegen könnte, dass feministische Debatten sich so oft um sexualisierte Gewalt drehen: Ich glaube zum einen, dass sexualisierte Gewalt gerade in unterschiedlichen Kontexten aufgearbeitet und besser verstanden wird. So geht es zumindest mir selbst, ich bin auf viel mehr Texte, Filme und Podcasts gestoßen, die mich sehr beeindruckt haben. Zum Beispiel auf einen ganz tollen Text von Rava Katz hier im Blog. Auf Matthias Katsch und die Arbeit des Eckigen Tischs. Auf den Podcast Ein bis zwei. Auf Filme wie Spotlight oder Morgen ist auch noch ein Tag. Und auch das Buch von Gisèle Pelicot gehört dazu. Ich habe plötzlich einen für mich guten Zugang zu diesem Thema gefunden. Zum anderen ist das Thema vielleicht auch in der momentanen polarisierten Stimmung ein klares Argument pro Feminismus. "Sexualisierte Gewalt richtet sich häufig gegen Frauen und ist schlimm." Das kann man im Fall Pelicot nicht bestreiten oder relativieren. Es ist ein eindeutiger, krasser Fall. Wie man den Fokus ändern könnte - ich weiß es nicht. Ich glaube nur, dass es andere, vielleicht auch neue alte Räume für inspirierenden feministischen Diskurs braucht. Meine "feministische Sozialisation" hat fast ausschließlich über Social Media stattgefunden, erst über YouTube-Videos von Antia Sarkeesian oder Franchesca Ramsey, tumblr-Blogs und später dann über Twitter und Instagram. Ich halte mich an diesen Orten im Netz nicht mehr auf, weil es sie nicht mehr gibt oder weil sie sich verändert haben. Ich bin jetzt bei Bluesky und Mastodon, habe die beiden Apps aber gar nicht mehr auf meinem neuen Handy installiert, weil die Posts der Menschen, die mich früher sehr bewegt haben, oft so einen Freund-Feind-Dualismus an sich haben. Ich abonniere inzwischen Newsletter und habe einen Feed für interessante Blogs, dort finde ich viel mehr interessante und konstruktive Ideen. Das sind aber natürlich kleinere Öffentlichkeiten und teilweise auch Nischen - und es führt dazu, dass ich mich selten über das Gelesene mit anderen austauschen kann. Als ich noch Social Media genutzt habe, kam es viel öfter vor, dass es mit Freundinnen oder im Büro zu Gesprächen kam im Sinne von "Hast du auch mitbekommen...?" Das ist für mich ein Nachteil an diesen Formaten.
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Liebe Annette Meinecke, ich kenne das sehr gut, ja, mit Dosen-Leberwurst! Etwas Meerrettich gebe ich drauf, ist bei mir immer da, im Glas. Es macht sehr zufrieden. - Danke für diesen schönen Bericht, trotz aller Tragik. Gesa Ebert
Artikel: Vom Da-sein, wenn nichts mehr da ist
Liebe Antje, danke für die Erinnerung an "die Vision von Freiheit und gutem Leben für alle". Zu den Ursachen der vermeintlichen Unsichtbarkeit dieses Aspekts hab ich folgende Ideen: Könnte es sein, dass viele der Meinung sind bzw. waren, Frauen hätten doch im Grunde schon alles erreicht und es braucht Feminismus eigentlich gar nicht mehr? Und weil nun in der Berichterstattung über die schrecklichen Gewalttaten zunehmend die Geschlechterverhältnisse thematisiert werden, sieht es so aus, als wäre der Kampf gegen Gewalt halt das, wofür wir den Feminismus jetzt doch nochmal brauchen (etwas überspitzt formuliert). Und während ich das schreibe, drängt sich noch ein Gedanke auf: Für viele gibt es ja anscheinend sowieso nur einen Feminismus. Könnte es sein, dass dann "der Feminismus" in der breiten Wahrnehmung auch immer nur für eine Hauptaufgabe zuständig ist oder sein kann? Und noch was: Du schreibst "Aber irgendwie, so scheint mir, ist dieser Aspekt heute fast unsichtbar." War das früher mal anders? Bzw ist die absolute Menge an Beiträgen, Aktionen etc. mit Visionen fürs gute Leben für alle ungefähr gleich geblieben, wird aber durch die Debatten über Gewalt an Frauen mengenmäßig gerade überlagert? Meine Hoffnung ist ein bisschen, dass das gute Leben für alle schon noch thematisiert und bearbeitet wird (hier auf bzw wäre ja so ein Ort). Und für alle, die eigentlich dachten, sie haben mit Feminismus generell nichts am Hut, könnte der Kampf gegen Gewalt und Unterdrückung ja ein Einstieg für eine Beschäftigung damit sein.
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Gewalt gegen Frauen ist ein wichtiges Thema, das ist unbestritten, da muss etwas geschehen! Vor allem erregt es die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums. Und doch beginnt alles bei einem selbst. Wenn man darüber sprechen würde, wie man Selbstreflexion übt und innere Wahrnehmungen so kommuniziert, dass man sich treu bleibt, wäre das viel weniger spektakulär. Obwohl das eigentlich der Schlüssel ist, um sich besser zu verständigen zwischen Mitmenschen. Emotionale Ruhe zu bewahren, könnte auch helfen. Am besten wäre es, schon im Schulfach "Empathie" zu vermitteln, wie das geht. Das sind Methoden, die nicht so einfach zu bewältigen sind, denn sie beginnen bei einem selbst und erfordern Aufmerksamkeit nach innen, sowie eine ständige Übung (lebenslang). Gewalttaten kann man verurteilen und sich echauffieren – und somit Verantwortung von sich weisen –, das ist wesentlich leichter. Viele Grüße Uta-Maria
Artikel: Feminismus ist mehr als der Kampf gegen Gewalt an Frauen
Als ich in den letzten Tagen an Luisa dachte und in ihren Büchern blätterte, war ich erstaunt darüber, WIEVIELE meiner jetzigen Denk- und Fühlrichtungen von ihr initiiert worden waren und mittlerweile in mein ganz gewöhnliches Denk- und Fühlrepertoire aufgenommen sind. Ich war auf der Suche nach einem ganz besonderen Zitat, und erkenne vielmehr, dass so viele ihrer Sätze all die kleinen Verschiebungen in meinem Denken ausgelöst haben. Denn ihre Gedanken sind tief gedacht, und gingen deswegen auch tief in mich ein, aber nicht von einem Moment auf den anderen, sondern in einem langsamen Prozess, in dem sich ihr Denken mit meinen Erfahrungen mischte, in mir resonierte und mir half, Selbstbewusstsein zu entwickeln, um von dieser interessanten Mixtur wiederum eigene Gedanken zu entwickeln. An meinen Seitenrandnotizen in den Büchern sehe ich, wo ich beim ersten Lesen stand. Es ist viel passiert seitdem. Ich ändere meine Taktik, um ein Zitat zu finden. Ich schließe das Buch „Vom Glück, eine Frau zu sein“, und schlage willkürlich eine Seite auf. Mein Blick fällt auf einen Abschnitt, den ich nicht angestrichen hatte damals, dessen Weisheit aber ebenfalls in mir tagtäglich arbeitet: „… mit einer Idee schwanger gehen, eine schwere Geburt, etwas zur Welt bringen usw. (…) Dabei geht es nicht um eine geordnete Reihe von Diskursen, die den gesamten Raum der Wirklichkeit einnehmen, sondern die Einzelnen helfen sich ganz offen auch mit Elementen, die dem diskursiven Denken fremd sind, wie die äußeren Umstände, die Präsenz der Körper, das nach außen drängende Begehren: Nur mit einem solchen Austausch, einem Mix aus Worten, Schweigen, Gesten und Empfindungen hätte es gelingen können, die Idee, die ich erahnt hatte, zur Welt zu bringen.“ (S. 27) Ich kenne die Gedanken bereits; heute resonieren sie besonders stark in mir. Denn ich fühle gerade: dasselbe gilt nicht nur für einen kurzen Moment, sondern auch auf lange Sicht gesehen. Ich habe Luisa nie persönlich kennengelernt, ich war nie in einem gemeinsamen physischen Raum mit ihr. Dieser entstehende Mix, von dem sie spricht, zwischen ihren Gedanken und meinen findet aber für mich, in meiner Körperin, unentwegt statt. Er ist so aktiv und lebendig wie eh und je. Wie schön, dass sie geboren ist. Ich hätte sie sonst sehr vermisst.
Zu Graeber und Bullshit Jobs gibt's hier ein ca. 6-minütiges, sehenswertes Video: https://www.youtube.com/watch?v=BEb4Bda_06c Was ich noch interessant finde, ist der Begriff "Schadarbeit" des deutschen Ökonomen und Architekten Günther Moewes (2025 verstorben). Während Graebers Bullshit Jobs auf die subjektive Bewertung durch die Inhaber der Jobs abstellt, ob dieser sinnvoll ist oder nicht, meint Moewes' Schadarbeit solche Tätigkeiten, die objektiv negative Effekte auf andere (Menschen, Umwelt etc.) haben. M.E. sind beide Ansätze im Prinzip sinnvoll, da es einerseits zwar fraglich ist, ob es überhaupt so etwas wie eine 100%ige Objektivität gibt, aber andererseits der Versuch sich auf dieser Weise einer allgemeinen "Wahrheit" anzunähern, doch immer wieder unternommen werden sollte. (Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Externer_Effekt) Drei von Moewes' Texten dazu: https://www.fr.de/wirtschaft/gastwirtschaft/viele-fragen-in-der-oekonomie-92698281.html https://bge-rheinmain.org/beschaftigungsstaat-oder-vermeidungsgesellschaft https://www.nomen-verlag.de/produkt/arbeit-ruiniert-die-welt/ Zwar hat Günther Moewes soweit ich weiss (wir haben ein paar Emails ausgetauscht) mit dem Begriff Care nichts am Hut gehabt und sich auch nicht mit der unbezahlten Arbeit beschäftigt. Aber seine sehr pointierten Beiträge über sinnlose oder schädliche Erwerbsarbeit passen sehr gut zu Care als Haltung, zumal die Fetischisierung der Erwerbsarbeit sich ja auch dadurch mit Care beisst, indem dadurch Zeit und Energie gebunden werden, die für Care - als Tätigkeit verstanden - natürlich am Ende fehlen.
Danke für den superguten Text! Falls noch nicht bekannt, das hier finde ich in dem Zusammenhang auch interessant: Dr. Manuel Franzmann: Demokratisierung der Muße? Das bedingungslose Grundeinkommen aus bildungstheoretischer Sicht (zum Anschauen) https://www.youtube.com/watch?v=C1B3cfgQWGY (zum Lesen) https://macau.uni-kiel.de/receive/macau_mods_00000319
Artikel: Otium fürs Volk!
https://blog.degruyter.com/wherever-you-go-i-will-go-queer-readings-of-the-hebrew-bible/
Artikel: Queere Auslegungen von Gesetzestexten der Hebräischen Bibel und der Halacha
Hier ein Blogpost zu Studien zu queeren Lesarten der Hebräischen Bibel in De Gruyter Con versations auf Englisch: https://blog.degruyter.com/wherever-you-go-i-will-go-queer-readings-of-the-hebrew-bible/
Artikel: Queere Auslegungen von Gesetzestexten der Hebräischen Bibel und der Halacha
Hier ein Blogpost zu Studien zu queeren Lesarten der Hebräischen Bibel in De Gruyter Con versations auf Englisch!
Artikel: Queere Auslegungen von Gesetzestexten der Hebräischen Bibel und der Halacha
Also durchatmen und noch einmal (seufz) Liebe Dorothee, der Text ist an mir vorbeigegangen, deswegen habe ich mich nicht früher gemeldet! Ich finde so spannend, was du schreibst. Und ich glaube, ich finde jetzt nur eine Synthese von dem, was ich eben geschrieben habe (und wie du das auch kennst, leide ich und langweile ich mich ganz schrecklich, wenn ich nochmal dasselbe schreiben muss und zudem all die schönen spritzigen „Erst-Formulierungen“ von eben eh nicht mehr hinbekomme): Ich frage mich zum einen, ob diese Differenzierung der Gefühle, die sich im „liebes-nahen“ Bereich abspielen, notwendig sind für monogame Beziehungslandschaften, in der ja Crushs als potentiell bedrohlich angesehen werden. Und ich hatte das dann verneint, denn ich finde, dass die „Crush-Theorie“ Sprachefinden und Kommunikation ermöglicht von Gefühlen, die man vor der Partner*in verstecken musste, eben weil es oft schlechte Gefühle wie Eifersucht usw. geweckt hat. Und ich denke, dass eine solche Ausdifferenzierung und Sprachefinden nur gut sein kann, denn mehr Wissen und Sprache und Zulassen von Liebe und Freude verändern unsere Weltsicht ins Gute. Dann war der andere wichtige Punkt, dass ich NEUERDINGS auch öfter einen Crush auf Männer bekomme. Und wenn ich länger darüber nachdenke, dann sind es immer Männer, die auch ihre (weiblichen) Energien fließen lassen (also patriarchale Fühl- und Denkmuster hinter sich gelassen haben), die klug, feministisch, offen, neugierig sind, die zuhören und interessiert sind an dem, was andere sagen und es in ihr Denken integrieren, deren Denken unabgeschlossen und wertfrei ist und von innen heraus geschieht. Und ich schreibe „neuerdings“, weil ich diese Männer erst seit Kurzem „finde“, und zwar, seit ich mich mit spirituellen Philosophien und besonders mit der Astrologie beschäftige. Hier ist nichts geschlossen, und alles ist im Flow und in der Entwicklung und unklar, und Männer, die das aushalten können, die faszinieren mich. Es sind Männer mit emotionaler Reife und sehr oft mit kleinem Ego, aber großem Herzen und Seele und einem Drive und Wille zu Wissen von tief innen heraus; denen mittlerweile egal ist, was die Wissenschaftscommunity beispielsweise zu ihrem Forschungsinteresse sagt. Das finde ich sehr crushig ;). Mein neuester Crush ist der Philosoph, Psychologe und Astrologe Richard Tarnas. Ich lese seine Bücher und höre und schaue Podcasts mit ihm in ähnlicher Verzückung, wie ich z.B. Ekaterinas Tanzschule in „Let’s Dance“ zuschaue (siehe mein Crush-Text). Ich schreibe das, weil ich Parallelen sehe zu dem, was du schreibst, Dorothee, was das Geschlecht angeht, das auf uns jeweils erotische Anziehungskraft ausübt. Auch ich finde da also neue Sprache und neue Differenzierung. Und ich finde noch spannend, dass mich übrigens auch nur Frauen crushig interessieren, die diese Offenheit haben, die sich für fehlbar halten, die mutig und riskant und unabgeschlossen in ihrem Denken und Fühlen sind, die sich von ihrer Intuition leiten lassen (ob bewusst oder unbewusst, ist erstmal egal und wäre ja spannend herauszufinden), die irgendeine witchcraft haben und im besten Falle dazu stehen, ja, die allen Aspekten des Lebens – auch den profanen und alltäglichen – eben mit Freude, Neugierde und Staunen begegnen. Vielleicht ist mein „Crush-Muster“ also gar nicht entlang der Geschlechterlinie. Ich fände das ja noch viel interessanter. Mir kommen noch mehr, noch zu wenig elaborierte Gedanken jetzt in den Kopf… die Serie geht ja hoffentlich noch eine Weile, sodass sie sich die Gedanken noch weiterentwickeln können. Danke, liebe Dorothee!!!
Artikel: Ein Crush vor mehr als 50 Jahren und einer vor wenigen Wochen
oh no, ich habe gerade einen ganz langen Kommentar verfasst, und er ist weg, jetzt muss ich mich erstmal fassen...
Artikel: Ein Crush vor mehr als 50 Jahren und einer vor wenigen Wochen
Liebe Fidi Bogdahn, da mich mehrere Nachfragen erreicht haben, wegen der freien Spiritualität der Beginen, wurde das Video auf dem "Beginen heute-Kanal" noch einmal erneuert und die Hintergründe tiefgreifender erklärt. Das ist der Grund, warum der obige Link nicht mehr greift. Ich bitte dies zu entschuldigen. Dies ist der neue Link zum Video "Die freie Spiritualität der Beginen": https://youtu.be/w9Ij6JzltxE Viel Freude beim Anschauen Uta-Maria
Ja, das kann ich mir wirklich gut vorstellen, wie enttäuschend so ein 'Kunstbesuch' ist, wenn man selbst als Frau (oder Mann) (oder Selbstdefiniertes Wesen) darin nicht vorkommt. Schade. Gerade Haare sind doch eine wesentliche Möglichkeit sich zu fühlen und zu gestalten. Und auch Macht auszuüben. Oder Lust zu schenken. Na ja, vielleicht lernen wir dazu.
Artikel: "Let the sunshine in, let the sunshine in, the sunshine in"
(Un)Liebe Courage-Frauen, Sie haben alle viel für uns Frauen getan und ich hoffe, Sie sind weiter überall da produktiv wo Sie jetzt sind. Ich hatte damals die Courage - toller Titel übrigens - abonniert und oft gestaunt über Probleme, die mir gar nicht bewusst gewesen waren, die ich aber voll bestätigen konnte. Und dazu habe ich heute noch das Bild des kleinen Baby-Mädchens, das mit Gewalt penetriert worden ist...
Artikel: „Wir waren das Ende des Nebenwiderspruchs“ – fünfzig Jahre Courage
Vielen dank Antje, Auch eine andere wichtige Italienische Feministin ist gestorben. Anna Hilbe war: fondatrici nel 1977 di Librellula, la prima Libreria delle donne a Bologna. https://www.ilrestodelcarlino.it/bologna/cronaca/morta-anna-hilbe-fondo-librellula-16c9e0e5
Artikel: Abschied von Lia Cigarini
Danke für den Beitrag. Bei der Überschrift habe ich erst gedacht, das geht mich nichts an ( habe auch keine Kinder), aber ich finde die Bezeichnung auch für überholt. Da sich immer mehr abzeichnet, dass Frauenkörper nicht nur wegen der Fortpflanzung anders gesund und krank sind als Männer, wäre es schön, wenn eine Frauenklinik das berücksichtigen würde, und sich nicht nur auf die Fortpflanzung zu beschränken. Da ich chronisch krank bin, bin ich jedesmal verunsichert, ob das ärztliche Gegenüber im Blick hat, dass Frauen anders „funktionieren“ als Männer.
Artikel: Frauenklinik
Danke, liebe Antje, dass du diesen Nachruf für uns geschrieben hast!
Artikel: Abschied von Lia Cigarini
Vielen Dank für diese wundervolle Würdigung. Die Dame ist der Jahrgang meiner Großmutter, und obwohl nicht adelig und obwohl nicht so "erfolgreich" (sie hatte Pianistin werden wollen und durfte nicht), finde ich Züge von ihr wieder in dieser Beschreibung. Und welch blitzende Augen auf diesem Photo!! Schön, daran erinnert zu werden.
Liebe Jutta, was für eine wundervolle Hommage an eine Frau, ich bin sehr gerührt von dieser Würdigung einer einprägsamen Erinnerung und wie du diese beschreibst! Ich kann sie total nachempfinden. Ich finde sehr interessant, was du schreibst bezüglich der Privilegien. Ich bin da ganz deiner Meinung. Ich habe darüber auch oft nachgedacht in letzter Zeit und auch darüber geschrieben in meinem Substack-Text "Von Superwoman zu Witchyness". Ich habe da die sehr gegensätzlichen Schwestern- und Freundinnenpaare in den Disneyfilmen "Frozen" und "Wicked" angeschaut, und dabei ist mir aufgegangen, dass diese Paare nur im Zusammenschluss ihrer gegensätzlichen Seiten des symbolischen Weiblichen "das Ganze" im Blick und im Gefühl haben können. Dass es im Grunde nicht in erster Linie darum geht, das Augenmerk auf Privilegien oder Unterdrückung im System zu legen, um gesellschaftliche Veränderungen generieren zu können, sondern dass das In-Anspruch-Nehmen-Können oder Nicht-In-Anspruch-Nehmen-Können von gesellschaftlichen Privilegien für unterschiedliche Erfahrungen sorgt, und dass es um diesen Zusammenschluss von Erfahrungen geht. Und zwar zudem mit Fokus auf die vereinende Liebe zweier Frauen - also auf die Frauenpaare in den Disneyfilmen bezogen - und deren Aufeinander-Bezogensein in Differenz, nicht auf ein spalterisches Misstrauen und gegenseitiges Ausspielen in Hass, Neid und Eifersucht. (Hier ausführlicher nachzulesen: https://annenewballduke.substack.com/p/von-superwoman-zu-witchyness-part-2f0 Also ich meine: Klar muss ich mir meiner Privilegien bewusst sein, aber wenn ich das Gefühl habe, dass ich meine Erfahrungen verstecken muss, weil sie angeblich nicht wertvoll sind für das Nachdenken über das gute Leben für alle Würdeträger*innen, dann erschaffen wir plötzlich eine Welt ohne das Gefühl von Leichtigkeit und davon, dass Dinge, die für einige sehr schwer sind, für andere sehr einfach und selbstverständlich sein können. Das ist in allen Dingen des Lebens so, nicht nur, wenn wir den Fokus auf Privilegien richten. Wir gehen viel zu oft aus, dass die Dinge, dass das Leben schwer sein muss und "hart verdient" usw., damit es gut und richtig gelebt ist. Dass wir uns auf die schlechten und unangenehmen Seiten fokussieren müssen, diese in allen möglichen Formen ausleuchten müssen, damit wir wissen, wie wir ein gutes Leben leben können. Ich glaube das nicht. Alle Erfahrungen sind wichtig, und die Wiederentdeckung und Nichtunterschätzung der Leichtigkeit und der Freude sind gerade in diesen Zeiten absolut überlebensnotwendig. Vielleicht ist das eh so auch eine Idee dieser Crush-Reihe... dass wir uns auf die schönen, guten, singenden und klingenden Seiten in unseren Beziehungen besinnen statt auf die spaltenden, scham-, wut- und angstbesetzten usw. Ich meine, wie soll das überhaupt gehen? Aus Gefühlen der Spaltung, Scham, Wut und Angst heraus gute Gedanken über das Leben zu bekommen? Eigentlich sollten wir uns alle gegenseitig immer darin unterstützen, dass wir so oft wie möglich in unserer Freude stehen können, dass wir uns gegenseitig die Räume öffnen statt sie zu schließen (mit schlechter Laune, Voreingenommenheit, Projektionen, Schubladen, wenn wir Pessimismus über Weltlage auch auf unsere persönlichen Beziehungen ausweiten ("Wie kannst du gerade so gut drauf sein, wo doch das und das in der Welt passiert?!") usw.), damit wir jeweils tun können, was wir lieben.
Liebe Fidi Bogdahn, genau, im Beginenhof Nordhastedt ist das so, denn Religion, oder eine religiöse Anbindung, ist keine Voraussetzung, um ein spirituelles Leben zu führen. Hierzu gibt es einen Vortrag von mir auf dem "Beginen heute" YouTube Kanal: https://youtu.be/pi1uHmxANI8 Es gibt da aber keine Vorgaben, denn in den Höfen gibt es vielfältige Lebensentwürfe. Man kann auch einer Religion angehören, wenn man das wünscht. Herzliche Grüße Uta-Maria
kleine Nachfrage: " Der Beginenhof Nordhastedt hat einen sehr intensiven Gottesbezug, ist dabei jedoch frei-spirituell und nicht religiös“ - Ist unter ´Gottesbezug...nicht religiös´ gemeint, er ist bzw. ihr seid weder evangelisch noch katholisch...?
Und hier noch der Link auf meine Rezension in er Zetschrift 'Neue Wege - Religion, Sozialismus, Kritik': https://www.neuewege.ch/das-ganze-der-wirtschaft-den-blick-nehmen?search=Care
Artikel: Das Innen und das Außen des Kapitalismus: strukturverwandte Ausbeutungsverhältnisse
Achso, und das mit dem Buchcover von Luisa, das wusste ich natürlich! Deswegen habe ich das Bild auf dem Flohmarkt überhaupt gekauft. Bzw. ... ich stand vor dem Bild und dachte an Luisa und die Bauernhof-Frauen gleichzeitig. Siehst du, das hätte ich auch noch schon in den Text bauen können, weil das sind ambivalente Denk-Spagate, die ich wirklich wirklich liebe, die das Denken überhaupt in Gang setzen bei mir.
Liebe Dorothee, ach, vielen Dank, so schön, dass dir die Idee gefällt! Ich bin immer so erleichtert, wenn bei irgendeiner irgendetwas zündet, weil es ist nicht einfach, alles, was man so im Kopf hat, in die Worte zu packen, damit es möglichst viele berührt. Vielleicht kannst du mir in einer ruhige Minute nochmal sagen, warum dir das Lesen meiner Texte schwerfällt. Ja... das Begehren betreffend hatte ich auch das Gefühl, einen "neuen" Zugang gefunden zu haben. Ich weiß auch nicht, ich orientiere mich momentan eher an der Freude, an den guten Gefühlen von Menschen, ich schaue momentan immer hin, wenn Menschen strahlen; auch allgemein. Ich denke, das ist meine Form von Überlebensmodus in diesen Zeiten. Ich denke aber auch, oder ich entdecke dabei, dass hier ungeahnte (Gedanken-)Möglichkeiten schlummern, die es eigentlich gerade in solchen Zeiten zu aktivieren gilt. Ich denke, wir unterschätzen, dass wir uns am meisten in und von dieser Welt fühlen, wenn wir in dem aufgehen, was wir lieben. Bei deinem Text damals... welcher war das, auf den ich mich bezogen habe.. ich schau gleich nochmal, da habe ich schonmal das Gefühl gehabt, dass viele Begriffe des Differenzfeminismus SOFORT in mir klangen und resonierten und Freude und Bejahung ausstrahlten; und zwar, bevor ich mich mit ihnen "theoretisch" befasst habe, was ja immer auch eine Einladung in die Praxis ist. Jedenfalls... empfand ich schon immer, dass viele Begriffe weiter zu ziehen sind, bzw. sie ziehen von sich aus viel weitere und tiefere Kreise als "nur" ... das ist jetzt schwer auszudrücken.... sie können nicht nur "wirken" innerhalb einer differenzfeministisch bewussten Frauengruppe. Das meine ich nicht despektierlich, für mich verändert es einfach den Denkrahmen. Es kann auch sein, dass ich das jetzt nur erst alles entdecke in einem sehr langsamen Prozess, und ihr das schon wisst, keine Ahnung. Jedenfalls... ich glaube, so gesehen... Differenzfeminismus ist keine Denknische, und auch nicht nur eine ernste philosophische Praxis zwischen Frauen oder so... sondern trägt Freude in sich, und allein deswegen existiert und gedeiht er überall um uns herum in "grober Form", in gewissem Sinne, wenn wir hinschauen. Also im Sinne von... wir müssen nicht den Differenzfeminismus zu den Leuten "außerhalb" tragen (das auch!! keine Frage!! es ist immer ein hin und her), aber wir können auch schauen, wo er sich alles "unbewusst" (iSv noch nicht ins Bewusstsein gehoben und von Worten entdeckt) schon befindet, wo wir ihn nicht vermutet haben. Keine Ahnung... da werde ich einfach immer weiter dran rumdenken und hinterherfühlen. Danke liebe Dorothee <3
Liebe Anne, normalerweise lese ich Texte zum Nachdenken lieber selbst, anstatt sie mir vorlesen zu lassen. Doch letzte Woche saß ich im Zug, hatte noch etwa 6 Std. Fahrt vor mir, und es war schrecklich voll, laut und unruhig. Da hab ich es sehr genossen, deine Stimme direkt in meine Ohren zu kriegen und konnte mich viel besser auf deine Gedanken einlassen als beim Lesen deiner Texte. Das war die erste beglückende Erfahrung. Und dann der Inhalt: Es begeistert mich, neue Unterscheidungen zu lernen. Das Wort "verknallen" mag ich zwar nicht, aber "einen crush haben auf" kannte ich nicht, das übernehme ich jetzt erstmal. Was euch Heteras sicher nicht so schwer fällt, war für mich bis jetzt die Unterscheidung in "mich in eine Frau verlieben" (und eine romantische Beziehung wollen) und das, was du mit dem crush beschreibst: Die Freude beim Zuschauen, wie eine andere Frau etwas tut, was sie liebt. Und das ist zudem ein ganz neuer Zugang zum Wahrnehmen und Wertschätzen des Begehrens. Einfach genial! Die restliche Fahrt über dachte ich über all meine bisherigen "Verliebtheiten" und Beziehungen nach und sah, wo mir diese Unterscheidung gefehlt hat, so dass ich meinte, eine Liebesbeziehung eingehen zu müssen, obwohl ich "nur" einen crush hatte, mich freute, der anderen zuzuschauen, während sie etwas tat, was sie liebte. Ja, und das konnte dann auch dazu führen, dass die Beziehung schief ging und ich die andere Frau oder/und mich unglücklich machte. Übrigens noch was: Das schöne Bild von Vermeer ist auf dem Cover von Luisa Muraros Buch "Vom Glück, eine Frau zu sein"!
Liebe Marita, danke, das ist auch ein Thema, das mich sehr interessiert. Mir hat bell hooks' Buch "The Will to Change: Men, Masculinity, and Love" ("Männlichkeit und Liebe. Der Wille zur Veränderung") von 2004 sehr geholfen. Es handelt darüber, wie das Patriarchat Männer emotional prägt und ihre Liebesfähigkeit beschädigt. Sie beschreibt die Erziehung hin zum starken, unabhängigen und unverwundbaren Mann als eine Form der Verstümmelung: Männer lernen, sich von ihren eigenen Gefühlen abzuspalten. Sie kritisiert eine Kultur, die männliche Dominanz normalisiert und dadurch auch Gewalt legitimiert. Sie argumentiert dann ähnlich, wie Giovanni Maio, den du oben anführst, und setzt in ihrem Denken früh an: dort, wo Jungen lernen, Gefühle wie Angst, Trauer und Zärtlichkeit zu unterdrücken. Sie geht auch auf die "patriarchalen Mütter" ein, die - wenn die Väter verschwinden, aus welchen Gründen auch immer - oft dessen patriarchalen Ansatz übernehmen. Ich mag an dem Ansatz, dass sie "vor der Gewalt" ansetzt und grundsätzlich fragt, wie auch Männer wieder einer Liebe befähigt würden, die diese Gewalt gar nicht erst aufkommen lassen würde.
Artikel: Keine Gewalt gegen Männer*