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Wiederverwenden statt abreißen: Ein Film über die Architektin Barbara Buser

Von Antje Schrupp

Um die Baseler Architektin Barbara Buser geht es im neuen Dokumentarfilm von Gabriele Schärer. Foto: Lesgamines/Wikipedia

Barbara Buser rettet Gebäude vor dem Abriss und baut sie mit wiederverwendetem Material um. Die Regisseurin Gabriele Schärer hat der Basler Architektin jetzt einen Dokumentarfilm gewidmet: „Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit”. Der offizielle Kinostart in Deutschland ist am 29. Oktober, eine begleitete Kinotour mit Buser und teilweise auch mit Schärer gibt es bereits ab 21. Oktober.

Der Film ist sehenswert, auch wenn man sich nicht für Architektur interessiert. Denn die Frage, wie Immobilienmärkte und Baubranche funktionieren, betrifft uns alle, und anhand von Barbara Busers Engagement wird das in Interviews und Szenen, die Einblick in ihr Geschäftsmodell geben, anschaulich.

Ein großes Problem beim Bauen ist der enorme Materialverbrauch und CO2-Ausstoß. Wie wichtig es ist, zwischen Recycling und Wiederverwendung zu unterscheiden, war mir neu. Recycling bereitet Abfälle auf und verbaut sie wieder. Das kostet, wie Buser erklärt, viel Energie und ist weniger nachhaltig, als man meint. Wiederverwendung setzt früher an, bei den Gebäuden selbst. Wenn niemand ein Gebäude, ein Areal oder eine Fabrik mehr braucht, fragt Buser, was man damit weiter anfangen kann, statt abzureißen und neu zu bauen. Alte Schulwandtafeln zum Beispiel eignen sich hervorragend als Küchenrückwände.

Das Bauen mit knappem Material hat Barbara Buser in Tansania und im Sudan gelernt, wo sie nach dem Architekturstudium an der ETH Zürich zehn Jahre für Entwicklungshilfeorganisationen arbeitete. Zurück in der Schweiz gründete sie 1995 mit anderen eine Börse für gebrauchte Bauteile.

Erst die Gebäude ansehen, dann die Nutzung festlegen

Busers bekanntestes Projekt ist das Gundeldinger Feld in Basel. Ende 2000 gab die Maschinenfabrik Sulzer-Burckhardt ihren Standort im Quartier auf. Buser initiierte zusammen mit ihrem Geschäftspartner Eric Honegger die Umnutzung des Areals. Die beiden schauten sich an, welche Gebäude und Hallen es gibt und wofür sie sich eignen. Heute sind auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Gelände Kulturbetriebe, Gaststätten, eine Kletterhalle und eine Brauerei zu Hause. 2015 übertrugen die Aktionär*innen der Trägergesellschaft den geschaffenen Mehrwert an eine gemeinnützige Stiftung, damit das Areal langfristig ein sozialer Ort bleibt.

Spannend fand ich auch, dass Buser marktwirtschaftliches Denken keineswegs ablehnt. Ihre Projekte sind betriebswirtschaftlich durchkalkuliert, es gibt Einnahmen, und die Gewinne werden reinvestiert. Der Gewinn besteht allerdings nicht nur im Geld, sondern darin, dass ein Quartier den Menschen zugutekommt, die dort leben, und dass sie nicht durch steigende Mieten vertrieben werden. Dass das funktioniert, zeigen viele Projekte und Preise: 2020 erhielt Buser mit Honegger den Prix Meret Oppenheim, die höchste Schweizer Auszeichnung für Kunst und Architektur, und 2021 bekam ihr „baubüro in situ” für den Kopfbau Halle 118 in Winterthur einen Global Gold Award der Holcim Foundation.

Zum Geschäftsmodell gehören Materialjäger*innen, die bei Abrissplänen herausfinden, was sich wiederverwenden lässt. Manchmal bleiben ihnen dafür nur ein, zwei Tage, bevor die Sachen vernichtet werden, weil das am einfachsten ist. Beim Zuschauen fragt man sich, warum das nicht anders geregelt ist. Könnte man nicht Abrissfirmen verpflichten, ihre Vorhaben anzukündigen und Leuten, die Material wiederverwerten wollen, entsprechend Zeit zu lassen?

Nachhaltige Bauentwicklung ist bislang leider eine exotische Ausnahme in einem Markt, der sich nur für finanzielle Rendite interessiert. Bestehende Gebäude zu erhalten und einer neuen Verwendung zuzuführen gilt nicht als „richtige Architektur“, dabei braucht es genauso viel Fantasie und Kreativität, um aus Vorhandenem etwas zu machen, wie für einen Neubau. Hoffentlich kann dieser Film einen Beitrag leisten, damit sich das ändert.

Wo man den Film sehen kann

Zum Kinostart im Oktober gibt es Vorführungen mit Barbara Buser, teils auch mit Gabriele Schärer am 21. Oktober in München (Theatiner Kino), am 22. in Köln (Odeon), am 23. in Frankfurt (Mal Seh’n Kino), am 28. in Hamburg (Zeise), am 29. in Berlin (Delphi) und am 31. in Stuttgart (Atelier am Bollwerk). Filmwebseite: https://www.barbarabuser-film.ch/

Autorin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 03.10.2026
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