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Rubrik erinnern

Zum Tod von Luisa Muraro

Von Antje Schrupp

Luisa Muraro, die vielleicht wichtigste Philosophin unserer Zeit (für alle, denen weibliche Freiheit am Herzen liegt), ist am Samstag, 13. Juni 2026, kurz vor ihrem 86. Geburtstag gestorben. Sie war über viele Jahrzehnte die treibende Kraft hinter dem italienischen Differenzfeminismus, Mitgründerin sowohl des Mailänder Frauenbuchladens als auch der Philosophinnengemeinschaft Diotima an der Universität von Verona.

Das oben verlinkte Video ist eine gute Möglichkeit, sich noch einmal an Luisa Muraro zu erinnern. Es entstand im September 2020 und ist ihr Beitrag zu einem “Marathon der Philosophie” zum Thema “Pensare il Presente” (Die Gegenwart denken). Sie spricht über die Bedeutung der Frauenbewegung, des Feminismus und über das, was wir erreicht haben. Das Video hat Laura Colombo gedreht und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt, die Untertitel stammen von mir.

In diesem Forum haben wir immer wieder Texte von Luisa Muraro übersetzt, und jeder einzelne davon lohnt, wieder gelesen zu werden – in tiefer Trauer darüber, dass diese herausragende und inspirierende Denkerin nicht mehr lebt, und in großer Dankbarkeit dafür, dass sie uns so viel hinterlassen hat. Hier eine Übersicht über Muraros Texte in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.

Freiheit (2018)
Vortrag beim Internationalen Frauentag in Rüsselsheim: Was Freiheit für Frauen bedeutet und wie sie sich von herrschenden Freiheitsbegriffen unterscheidet.

Die Geschlechterdifferenz gibt es! (2015)
Blitzlicht: eine knappe Bekräftigung der Geschlechterdifferenz als offensichtlicher Tatsache, die wieder ausdrücklich benannt werden muss.

Die zweite Welle des Feminismus (2013)
Was charakteristisch für die zweite Frauenbewegung war: dass die Revolte sich in Abgrenzung zu den Männern vollzog, die selbst revoltierten, und wie daraus eine historische Bewegung wurde.

Politik und Macht sind nicht dasselbe (2011)
Ein Interview zum Erscheinen des Diotima-Buches gleichen Titels – über den Unterschied zwischen politischem Handeln und der Ausübung institutioneller Macht.

Ohne die Prothesen der Macht (2009)
Warum viele Frauen Schwierigkeiten haben, sich ins politische Tagesgeschehen einzubringen und wie sich trotzdem handeln lässt, ohne auf die Instrumente männlicher Machtlogik zurückzugreifen.

Priester und Feministinnen (2007)
Über das Verhältnis von Feminismus und Christentum, Beziehungen zwischen Frauen und Männern, und neue Herausforderungen für die Frauenbewegung.

Die Entdeckung der Freiheit als religiöse Freiheit (2005)
Muraro spürt den Wurzeln weiblicher Macht nach und entdeckt sie bei den Mystikerinnen, deren Texte bis heute im Bildungskanon fehlen.

Endstation der Modernität (2005)
Kommentar zur Weltpolitik: Warum der „Kampf der Kulturen” ein Irrweg ist und es stattdessen darum geht, neue Übergänge in der verwickelten menschlichen Welt zu erfinden.

Freudensprünge (1995)
Der Text, in der Muraro erstmals die These vom Ende des Patriarchats formulierte und damit eine breite Diskussion auslöste.

Wenn der Staat feministisch wird (1992)
Eine kritische Analyse staatlicher Gleichstellungspolitik: Wenn der Staat feministische Ziele übernimmt, drohen Vereinnahmung und Entleerung.

Die Politik ist … die Politik der Frauen! (1991)
Ein Text zum Relaunch der Via Dogana, der Zeitschrift des Mailänder Frauenbuchladens: Warum die „Politik der Frauen” keine parallele Variante zur Männerpolitik ist, sondern etwas grundsätzlich anderes.

Die Liebe als politische Praxis (1991)
Ein Text über die Mutter-Tochter-Beziehung als Modell politischen Handelns – Liebe nicht als Privatsache, sondern als Grundlage von Politik.

Autorin: Antje Schrupp
Eingestellt am: 15.06.2026

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