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Ich habe einen Crush auf… Ekaterina Leonova!

Von Anne Newball Duke

Part 1, der eigentlich erstmal nur von meinem Crush auf die Fernsehshow Let’s Dance erzählt

Dies ist der erste Text der Serie “Ich habe einen Crush auf… eine Frau!”. Bitte denkt daran, dass eine Serie davon lebt, dass andere mitmachen. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, auch einen Crush zu teilen, meldet euch doch gern bei uns: info (at) bzw-weiterdenken.de

Hier gibt es den Text auch als Audioversion.

Der Text teilt sich in zwei Teile. Im zweiten Teil, der in ein paar Tagen folgt, geht es um meinen Crush auf eine der Profitänzerinnen dieser Show: Ekaterina Leonova.

Die Let’s-Dance-Jury Jorge González, Motsi Mabuse und Joachim Llambi in der dritten Live-Show am 13.03.2026

Die Vibes von Let’s Dance

Ich bin großer Fan von Let’s Dance. Ich weiß nicht, seit wann genau… es muss um 2010-2011 etwa gewesen sein… und wie das passiert ist… ich denke, die Energie der Show hat mich beim Sender-Durchzippen eines Freitagabends einfach eingesogen. 

Umgang mit Klischees und Hass

Let’s Dance fühlt sich für mich an wie eine fröhliche Utopie im Übergang: zwar werden alte Klischees über Mann* und Frau* und Beziehungsweisen bedient, sowie alte Körper*innenvorstellungen präsentiert, aber vor allem die Jurymitglieder Motsi Mabuse und Jorge Gonzáles und der Moderator Daniel Hartwich lassen kaum ein altes Rollenmuster einfach so stehen. Wird versucht, die Profitänzer*innen und auch ihre Promi(laien)tänzer*innen zu sehr auf irgendwelche Klischeerollen festzutackern – dafür ist meist Joachim Llambi zuständig –, oder gar irgendein Bodyshaming über sie zu stülpen, wird sofort von mindestens drei Seiten für die betroffene Person in die Bresche gesprungen und die eben angeführten Klischees und Stereotype ins Lächerliche gezogen. 

Dies ist keine Enthüllungs-Story; ich kenne und schreibe hier nur über das, was ich in der Show selbst beobachte. Und nicht immer geht da alles gut, aber… es wird viel versucht. Wenn z.B. ein Promi besonders viele Hasskommentare im Netz bekommt, wird das Thema in der Show aufgegriffen, die Person ermutigt weiterzumachen. Aus dem Mund von Motsi und Jorge wirkt das nicht aufgesetzt. Ich fühle, wie sie als Schwarze Profitänzerin und er als homosexueller Entertainer kubanischer Herkunft mit gaaaaanz ganz viel eigener körper*inlicher Erfahrung bezüglich Diskriminierung, Rassismus und Hasskommentaren in Deutschland sprechen. Es wird vorgeführt, wie man beispielsweise von Hasskommentaren betroffene Personen sprechen lässt, wie man für sie einstehen und dafür sorgen kann, dass sie sich nicht allein fühlen, und dass die Sorgenden, Liebenden, Empathischen mehr sind als die Hass Ausspuckenden. Aber klar: mit der Entscheidung, dort mitzutanzen, begibt sich der Promi – also die Person des öffentlichen Lebens – in ein zuvor nicht komplett kalkulierbares Risiko. Ich bin den Promis schon allein dafür dankbar, dass sie sich trauen, sich dem auszusetzen. 

Diversität

Im Casting der Promis versucht die Produktion, Diversität zu halten… von Reality-Star über Social-Media-Stars über Profisportler*innen über Schauspieler*innen, Moderator*innen… alle Personen des öffentlichen Lebens könnten theoretisch in das Portfolio fallen. Das ist natürlich Kalkül, um das Publikum von Let’s Dance breit aufzustellen. Aber egal ob Kalkül oder nicht; meines Erachtens geht die Idee auf: immer, wenn ich die Jury betrachte und die ganzen Pärchen aus Profi und Promi, dann denke ich oft an Julia Fritzsches halben Buchtitel: „radikal bunt“. Natürlich geht es bunter, keine Frage, aber für eine Freitagabendsendung zur Prime Time wird da schon ordentlich was geboten: hier tanzen auch mal Männer mit Männern, Frauen mit Frauen und verändern sicher für die ein oder andere Zuschauer*in gewisse Sehgewohnheiten. Auch Promis, die nicht der körperlichen Norm entsprechen oder körperliche Behinderungen (gemessen an der Norm) und Beeinträchtigungen haben – z.B. der Schwimmer Taliso Engel (2025), der Comedian Tony Bauer (2024), der Schauspieler und Kampfsportler Benjamin Piwko (2019) oder der Speerwurf-Weltmeister Mathias Mester (2022) –, werden aktiv versucht einzuladen. So werden Zuschauer*innen mit Herausforderungen bekanntgemacht, für die sie zuvor noch gar keinen Blick hatten; es wird ihnen bewusster, wie es ist, als Mensch mit speziell dieser oder jener körperlichen Beeinträchtigung in dieser Gesellschaft zurechtzukommen, mit für sie unmöglichen Stadtarchitekturen, mit verschiedensten Formen der Diskriminierung, Unsichtbarmachung usw. Diese Dinge entspringen nicht immer bösen Absichten, aber sie existieren eben.

„Wir haben neue Körperteile kennengelernt“ 

(Ekat und Simon in einem Insta-Reel von Ekat in der dritten Trainingswoche Anfang März 2026)

Es muss wirklich eine sehr interessante körper*inliche Erfahrung für die Promis sein, wenn sie in so einem Ein-Wochen-Crashkurs mit all den teils jahrhundertealten konventionellen, nicht immer körper*innenfreundlichen Bewegungsabläufen eines Walzers konfrontiert werden: Bis wohin bitte muss die Frau den Kopf zur Seite drehen und in dieser Haltung ewig und drei Tage verharren?! Dazu all die für die Promis neuen Begriffe zu Schritten, Rhythmen usw. rund um den jeweiligen Tanz… man muss nicht superfeministisch geschult sein, um das wahrscheinlich strange und wahnsinnig faszinierend gleichzeitig zu finden. 

Gerade in den Einspielfilmen, in denen ein Kamerateam die Übenden durch 1-2 Tage der Trainingswoche begleitet, werden diese widerstreitenden und oftmals in Albernheit (ich liebe Albernheit) ausberstenden Momente sehr schön festgehalten. Durch das Eintauchen in die neue Welt und die neuartigen (Schmerz-)Empfindungen, durch neue und alte Bewegungen, durch die körperliche Erschöpfung im harten Training, sieht man die Promis nicht selten um Worte für das Erlebte ringen: hier treffen neue und alte Sprache in einer Person aufeinander, und es bilden sich daraus wiederum neue Wörter und Gedanken und Bewegungen. Ich liebe diese Momente. 

Der Live-Faktor

Ein weiterer Faktor ist, dass es eine Live-Sendung ist. Das heißt, es passieren hier immer noch sprachliche „Ausrutscher“, es wird sich mal über alle Maßen geärgert, ungeplante (also nicht inszenierte) wütende Tränen fließen, es wird unschön hingefallen, aber viel öfter noch gibt es witzige Wortgefechte (Daniel Hartwich ist der unangefochtene Meister der Schlagfertigkeit) und „Wellen der Freude“: einmal – ich weiß nicht mehr, wann genau das war – ging das am Körper oder an der Kleidung angebrachte Mikro von Motsi kaputt. Daraufhin wurde ihr ein großes Mikro zur Überbrückung gebracht. Kaum hatte sie es in der Hand, schien das Mikro sie zum Singen zu animieren. Sie stand spontan auf, richtete sich ans Publikum und schmetterte irgendeinen Schlager los, und das ganze Publikum setzte mit ein und war danach kaum mehr zu bändigen. Diese Momente eines energetischen Aufruhrs sind einfach großartig. Meine Familie und ich, wir sitzen dann ebenso ausgelassen und mitjohlend auf dem Sofa.

Was lange währt, ist gut

So sehr, wie ich denkerisch ständig neue Aussichten und Einsichten brauche, um mich nicht zu langweilen, so bin ich in vielerlei anderen Lebensdingen äußerst konservativ; so auch, was dieses Fernsehformat angeht. Und deswegen bin ich dankbar, dass sich Let’s Dance von Jahr zu Jahr kaum verändert. Es wird höchstens mal ein neuer Tanz aufgenommen ins Repertoire, und an der „Even-more-Extreme-Tanz-Challenge“ in einer der letzten Shows vor dem Finale rumgedoktort. Ich weiß nicht, ob das Format weiterhin so erfolgreich sein wird. Aber ich glaube, Let’s Dance hat ein sehr treues Publikum, das versteht, dass es nie langweilig wird; und zwar meines Erachtens aus dem einfachen Grund, weil immer andere Menschen tanzen lernen – und jeder Mensch ist hier im Lernen und im finalen Präsentieren einzigartig! Zudem sind die Profitänzer*innen allesamt auch sehr interessante und äußerst sympathische Persönlichkeiten. Und natürlich findet das Publikum besonders spannend, wie zwei Menschen, die sich zuvor nicht kannten, miteinander tanzen und im besten Falle – nur so können sie gewinnen – echte Sympathie und Herzlichkeit miteinander entwickeln, um zu bestehen. 

Male gaze

Unbestritten: viele Tänze zementieren alte patriarchale Geschlechtsrollen. Da diese Tänze – Walzer, Tango usw. – einst für das patriarchal instruierte „männliche heterosexuelle Auge“ – male gaze klingt cooler – konstruiert wurden, spiegeln sie in der Präsentation des Weiblichen u.a. immer auch die Heilige/Mutter-und-Hure/Widerspenstige-Dichotomie wider. Es geht vorbei an natürlichem weiblichem Bewegungsdrang und -form und somit an der direkten, wahrhaftigen Möglichkeit des Findens des Begehrens. Und da ist es freilich keine ungerechtfertigte Frage, ob wir das jetzt als gute Feminist*innen doof finden müssen und nur noch den Ausdruckstanz oder das Tanztheater or whatever in die Richtung lieben dürfen. Ich habe da keine ganz eindeutige Meinung. Wie ich immer gern sage: ich kann die Komplexität halten. 

Worauf ich mittlerweile viel mehr achte: Die Tänzer*innen der Show lieben die Tänze, das fühle ich. In dieser Liebe vermitteln sie die unhinterfragbare Struktur der Tänze. Ihre Liebe macht mir die Tänze sympathisch, ob ich will oder nicht.

Viele Profitänzer*innen in der Show sind nicht nur mehrfache Weltmeister*innen, Vizeweltmeister*innen usw., sondern die meisten von ihnen sind auch unglaublich gute Trainer*innen. Vielleicht ist ein Erfolgsgrund von Let’s Dance auch der – und daraus besteht eigentlich meine ganze Crush-Theorie –, dass Menschen wirklich gern sehen (und sei es noch so unbewusst), wenn andere Menschen gefunden haben, was sie lieben und zudem auch noch auf ihrem Gebiet scheinen können. Das inspiriert und motiviert mich als Zuschauerin, ebenfalls meine Liebe zu etwas zu suchen. Wie schön muss es für Profitänzer*innen sein, die ja allesamt Rampensäue sind, auf so einer Bühne vor einem Millionenpublikum ihr Können als Tänzer*in und Trainer*in ausleben zu können. Ich fühle ihre Dankbarkeit für diese Bühne sehr stark, sie schwappt auf mich über und macht mich auch ganz happy und dankbar. 

Und dann gibt es noch diesen Bruch, der allein durch die sehr unterschiedlichen Promis bezüglich Alter, Klasse, Körperstatur etc. stattfindet. Klar ist das Ziel, den Walzer perfekt zu tanzen. Aber er wird ja selten perfekt getanzt. Und als Zuschauerin sehe und fühle ich manchmal geradezu die Schwierigkeiten, die der Tanz den verschiedenen Körper*innen bereitet. Und das allein finde ich schon anregend und spannend. Warum ist es so schwer, die Körper*in so gerade zu halten? Ab wann tut es im Hals wirklich richtig weh? Natürlich müssen und sollten wir nicht leiden, warum auch. Zumal nicht jede Haltung wirklich gesund ist, sondern wie gesagt nur einstmals patriarchalen Vorstellungen von idealisierten, sterilisierten, künstlich verformten Frauen- oder auch Männerbildern entsprechen.

O o o Simon, Rücken gerade, Schulter runter, Körperspannung! (Simon Gosejohann und Ekaterina Leonova tanzen in der Show vom 13.03. den langsamen Walzer)

Als in die westliche Kultur hineingeborene Wesen ist uns aber die Ästhetik und Kultur dieser Tänze auch in gewisser Weise in die Wiege gelegt worden. Manchmal müssen wir und manchmal möchten wir uns damit auseinandersetzen; in konstruktiver oder dekonstrukiver Weise. Wenn Liebe im Spiel ist, finde ich, muss nicht alles dekonstruiert werden, einfach weil immer noch Liebe im Spiel ist. Punkt. Liebe verändert die Tänze mit der Zeit, so wie Steine im Fluss vom fließenden Wasser geschliffen werden. Im Fluss der Zeit können spielerisch Stärken und Schwächen herausgeformt werden. Solange kein Backlash um die Ecke geflutet kommt und sagt, ihr dürft von nun an nur noch langsamen Walzer tanzen, alles andere ist verboten, darf alles nebeneinander bestehen und sich gegenseitig beeinflussen und ineinanderfließen. Ein Backlash ist dann ja auch nicht die Schuld des Walzers, der sich gerade im Veränderungsprozess befand. Auch wenn er sich – andererseits – aufgrund seiner patriarchalen Grundprägung natürlich besonders gut für den Backlash-Fahrkanal eignet. It’s complicated, aber wir können das halten.

Ist das Leiden noch coole Körper*innenerfahrung oder kann das weg?

Ich denke, wir Menschen sind auf der Welt, um Erfahrungen zu machen. Und dazu gehören auch Grenzerfahrungen, und diese gerne körper*inlich fühlbar. Dann fühlen wir uns nicht selten lebendig. Nicht jede schmerzhafte Erfahrung bricht uns, sondern viele bringen uns auf neue, interessante Wege; wir suchen sie sogar aktiv, bewusst oder unbewusst. Weil wir mit ihnen testen und lernen, was wir mögen und was nicht; und wofür wir durch einen „Leidensprozess“ gehen würden und wofür nicht. 

Viele Promi(laien)tänzer*innen haben im Let’s Dance-Prozess relativ schnell Vorlieben: der einen Person gefällt oder liegt dieser Tanz ganz besonders; ein anderer Tanz ist für dieselbe Person eine totale körperliche, mentale und emotionale Herausforderung. Ein Tanz lässt sie euphorisch werden, ein anderer sie ständig in Tränen ausbrechen. So gesehen lernt man die Menschen durch diese Vorlieben und Abneigungen kennen – meist ziemlich zeitsynchron am Fernsehgerät mit der Person selbst; ganz nah an deren Körper*in, Gefühl und Intuition. Auch das finde ich spannend, immer wieder neu. 

Ist das nicht zu erotisch und gefährlich?

Ich muss ganz klar sagen, dass ich vollstes Verständnis dafür habe, dass gewisse Grenzen nicht immer gewahrt werden können, wenn sich erotische Anziehungskräfte zwischen einem Tanzpaar beginnen sollten zu entfalten. Diese körperliche Nähe, die notwendige Verletzlichkeit, diese Gefühlsausbrüche ständig, in welcher Erschöpfung, Verzweiflung, Freude und Euphorie so nahe an- und ineinander liegen… wenn dann auch noch die Chemie stimmt… ich mein… was soll ich sagen: Mir wurde beim ersten Salsatanz beim ersten Date mit meinem Mann komplett out of the blue klar, dass dieser Mann ziemlich wahrscheinlich der Mann für’s Leben ist. Also ich verstehe, wenn sich Paare beim Tanzen finden. Und seien wir ehrlich: Natürlich liegt hier auch der Reiz der Sendung, denn es bilden sich hier immer wieder Paare: meine Lieblinge sind immer noch Rebecca Mir und Massimo Sinato, die 2012 ein Tanzpaar waren. Massimo war zu dem Zeitpunkt verheiratet, trennte sich dann bald nach Ende der Let’s-Dance-Saison von seiner damaligen Frau. 2015 heirateten Rebecca und er und sind bis heute ein Paar. 

Meine Töchter (die jüngere 2012 noch nicht mal auf der Welt) liebten die Paarentwicklung von Profitänzerin Christina Luft und Sänger Luca Hänni. Ihre sehr süße flirty energy brachte sie 2020 ins Finale. Meine ältere Tochter spürte die Vibes der beiden von Anfang an. Ich glaube, bereits in Show 1 oder 2 sagte sie ganz aufgeregt: „Die werden ein Paar!“ Das dann über die Wochen mitzuverfolgen, ist wirklich Reality-TV at its very best

Also: Wenn man in einer monogam ausgerichteten Beziehung steckt und bei Let’s Dance mitmacht, dann muss man sich dieses Risikos schon bewusst sein und einfach nur hoffen, dass die (erotische) Chemie nicht stimmt oder dass genug Grenzen beiderseits gewahrt werden wollen. Grenzen beim Tanzen werden aber sofort vom Publikum gespürt, zeigen sich also directamente in der Tanz-Präsentation, also… es ist ein klassisches Dilemma, wie ich finde. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

Machtpolitik in der Karaoke-Bar

Letztens war ich in meinem Notizbuch auf der Suche nach einem bestimmten Gedanken, aber statt dem Gesuchten fand ich diese Notiz: 

„Machtpolitik in der Karaoke-Bar und bei Let’s Dance“.

Ich erinnerte mich an den Moment vor etwa einem Jahr, als ich mit Freund*innen das erste Mal in einer Karaoke-Bar war. Und wie ich da die Menschen so beobachtete, wie sie sangen from the bottom of their (often drunken) heart und sich beim Singen in den Armen lagen. Auch heterosexuelle Männer schmetterten herzzerreißende Duett-Liebeslieder, sich dabei auf Knien gegenseitig anbetend. Mir kam spontan der Gedanke, dass die Entscheidungsträger*innen bei einer wichtigen schwierigen politischen Entscheidung durch einen Karaoke-Abend gehen müssen: alle politisch Involvierten – auch die jeweiligen (Kriegs-)Gegner*innen – müssen zusammen singen. Und währenddessen wird die schwerwiegende politische Entscheidung getroffen: in dem Moment, wo sich die Menschen gerade am liebsten haben, weil sie ohne den anderen scheiße klängen oder weil sie sich beim Solo-Singen einsam fühlen würden. Ich wette, weltpolitische Entscheidungen würden anders ausfallen. 

Wir mögen uns nicht ausmalen, wie es wäre, wenn zwei hartgekochte, gefühlsverzerrte und empathie-amputierte Männer wie Trump und Putin, die sich alienmäßig (dabei unterschätzen wir die Aliens, die wissen von der Erde ganz sicher mehr als wir) von jeder Erdgebundenheit entkoppelt haben, bei Let’s Dance mitmachen müssten. Das wäre die Radikalkur zur Insel von Ata (siehe mein Substack-Newsletter #10). Motsi würde rufen, „Wir brauchen viiiiiieeeeeeeeeeel mehr Gefühl, meine Herren! Um eure Gefühle halten zu können, müsst ihr mehr Stabilität in der Körpermitte aufbauen!“ Jorge würde seine goldene Banane für einen einzigen gelungenen Hüftschwung beim Salsa in Aussicht stellen. Llambi würde zwar erstmal „das war nix“ sagen, aber wäre vielleicht in der darauffolgenden Woche bereit zuzugeben, ein klitzekleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen, weil: „Das Machogetue war gar nicht so schlecht, braucht man beim Paso Doble ja auch… jaaa liebe Motsi, nicht die Augen verdrehen, wir brauchen einen starken Mann, der sich traut, den Kampf mit dem Stier aufzunehmen, das ist einfach so, da braucht man nicht mit feminist… hier… Emanzipation oder so Zeugs zu kommen, aber ich warne Sie, Donald und Wladimir: ich möchte nächste Woche endlich ordentliche Fußarbeit sehen, ich möchte das Elefantengetrampel nächste Woche bitte nicht mehr hören, und da tue ich den Elefanten noch unrecht, weil selbst die gehen eleganter als Sie beide! Fersen und Ballen sind zwei Paar Schuhe, merken Sie sich das bitte!“ Und Daniel würde kommentieren, „So, da war der Herr Llambi mal wieder auf leisen Sohlen äußerst feinfühlig in seinen Ausführungen unterwegs, lasst euch nicht entmutigen, wir fanden euren Paso Doble spitze!“ Und das Publikum applaudiert, was den beiden Narzissten nach der harschen Kritik äußerst guttut, aber spätestens bei der Punktevergabe (Jorge 4-Motsi 3-Llambi 2) schrumpelt ihr Ego wieder auf Erbsengröße zurück. Nobody said it would be easy. “Aber ihr schafft das! Ihr müsst jetzt gaaaaanz viel Anrufer*innen für euch gewinnen, damit ihr nächste Woche noch dabei sein könnt!“, motiviert Moderatorin Victoria das Tanzpaar, und kurz dürfen Donald und Wladimir mit bettelndem Blick zusammen ihre Finger noch zu ihrer Anruf-Nummer formen und in die Kamera halten, und dann geht es auch schon in die nächste Werbepause.

Denkt euch einmal gutgelaunt durch solche freudvollen, verrückten, karnevalesken Zusammenkünfte von Menschen, in denen Machtbesessenheit die am meisten störende Eigenschaft wäre! Sie wollen unbedingt gewinnen! Aber um zu gewinnen, müssen sie Gefühl und Verletzlichkeit zulassen, sonst können sie schlichtweg nicht gewinnen.

Stellt euch nur vor, das würde zu einem globalen Massentraum werden: würden sich die beiden verweigern, wenn die ganze Welt sie tanzen sehen will? Und genau das meine ich mit „fröhlicher Utopie“ zu Beginn: schon sind wir mit einem einzigen Gedanken ein bisschen freundlicher, gelassener und freudvoller auf dieser unseren Welt unterwegs.

Autorin: Anne Newball Duke
Eingestellt am: 20.03.2026
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