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Ich habe einen Crush auf… Ekaterina Leonova! Part II

Von Anne Newball Duke

Ekat beim Salsa in der Show vom 20.03.2026 als bruja (Hexe), die sich einen Rúrik Gíslason (legendärer Publikumsliebling-Let’s-Dance-Gewinner 2021 zusammen mit Profitänzerin Renata Lusin) als Tanzpartner zaubern will.

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Vor ein paar Tagen habe ich hier über Let’s Dance geschrieben, denn den ersten Crush, den ich präsentieren möchte, ist eine Profitänzerin dieser Show: Ekaterina Leonova. 

Ekat tanzt seit 2013 in der Show. Ihr erster Tanzpartner war Paul Jahnke, der ein Jahr zuvor Bachelor im gleichnamigen RTL-Format war. 

Ich weiß wirklich nicht mehr, warum ich relativ schnell meine Aufmerksamkeit auf Ekat richtete. Generell ist es bei mir – schon seit ich ein kleines Mädchen bin – so, dass ich in Filmen und Shows u.ä. fast immer nur auf die performenden Frauen achte. Das erste Mal wurde mir das bewusst, als ich mit meinen Großeltern Eiskunstlauf schaute (es war genau die Zeit der zwei olympischen Goldmedaillen der Katarina Witt… unvergesslich; und meine Großeltern liebten diesen Sport). Wir schauten alle Eiskunstlauf-Wettbewerbe, und dabei merkte ich, dass mir die Männer einzeln und beim Paarlauf immer etwas egal waren… wahrscheinlich musste ich im Barbie-Film deswegen so oft lachen, weil so wie Barbie Ken wahrnimmt – teilweise nur als Statist, der unnötigerweise/zeitstehlenderweise manchmal Beachtung braucht –, genauso fühle ich das bei einigen Männerrollen gerade beim Tanzen oder in Märchenfilmen: sie sollen halt einfach nur nicht zu schlecht performen und bitte auch ein bisschen gut aussehen, aber vor allem sollen sie die Frau/ die Prinzessin scheinen lassen, das ist völlig ausreichend.

Ihr Name

Ekat nun ist natürlich – nicht nur für mein Auge wahrscheinlich – außerordentlich schön. Und ihr Name ist einfach der Hammer. Ich glaube mich zu erinnern, dass sie – bevor sie zu Ekat (ausgesprochen „Ikät“) wurde – in den ersten 1-3 Jahren bei Let’s Dance auch noch mit Jekaterina Leonova angekündigt wurde. Jedes Mal, wenn das geschah, klang der Name durch meine Körperin und machte mir supergute Laune. Ich sprach ihn auch ständig aus, wie einen Dauerohrwurm, einfach weil das Freude in mir auslöste. Längere Zeit hatte ich sogar die Vermutung, dass es sich wegen der „Klangperfektion“ um einen Künstlerinnamen handeln müsse, aber nein: sie wurde laut Wikipedia als Jekaterina Jurjewna „Katja“ Leonowa 1987 in Wolgograd geboren.

Ihr Humor

Ich denke, mich catchte zudem von Anbeginn ihre Ausstrahlung und ihr Humor, der nie laut ist, aber immer „beobachtend klug“, oft auch albern. Letzte Woche sagte sie aus Versehen „körperoberfrei“ und lachte sich danach über den Versprecher selbst schlapp. Und ich kicherte verknallt mit.

“Körperoberfrei!” Nur mit echtem Sixpack natürlich!

Ihr Humor und ihre Gelassenheit zeigt sich auch in ausgewähltem Schweigen oder nur in Augenbewegungen – etwa, wenn sie wieder mal als „russische Domina“ o.ä. betitelt wird. Sie schluckt diese Labelungen. Ich glaube manchmal, sie gibt sie direkt durch die Füße an die Erde weiter; jedenfalls verliert sie selten ihre Contenance. 

Meiner Erinnerung nach verlor sie eh nur einmal die Contenance; gleich in ihrer ersten Saison mit Paul Jahnke. Es lief gut für die beiden; sie kamen ziemlich weit, doch vor dem Einzug ins Finale kam Ekat nach einer Hebefigur unglücklich auf und verknickte sich irgendwas am Fuß. Da gab es wegen der Schmerzen, aber auch wegen des dadurch bedingten Ausscheidens des Paars ordentlich Wein-Drama ihrerseits auf der Bühne. Nicht, dass das kein Grund ist, um mal traurig und dramatisch zu sein. Aber das habe ich danach nie wieder an ihr erlebt. Na gut, ich mein‘… spätestens ab ihrem Sieg 2017 mit Gil Ofarim und den zwei Siegen in den Folgejahren – 2018 mit Ingo Lück und 2019 mit Pascal Hens – und erst letztes Jahr (2025) gewann sie wieder mit Diego Pooth – wer will ihr da bitte noch das Wasser reichen. 

Ihre Körper-Arbeit

Wie wurde sie zur Gewinnerin in drei aufeinanderfolgenden Jahren?

Ich bemerkte relativ schnell, dass ihre Partner erstaunliche Fortschritte in der Körperhaltung und in der Smoothheit ihrer Bewegungen machten. Ich achtete ab da an noch mehr auf die Einspielfilmchen, um in den kurzen, manchmal nur ein paar Sekunden währenden Trainingseinsichten zu erkennen, wie sie unterrichtet. Was ich beobachtete, war, dass sie weniger als andere Trainer*innen wild hin und her actet und auch weniger redet, sondern meist ganz ruhig neben dem Profi steht, ihn sehr genau beobachtet und dann oft irgendwelche trockenen Sprüche oder lustigen Analogien macht. (Bitte nicht falsch verstehen: die anderen Profitänzer*innen machen auch ähnlich gute Arbeit, aber ich habe nunmal einen Crush auf Ekat, das ist alles!) Es scheint alles weniger aufgeregt und sehr viel langsamer zu laufen. Sie ist nie wirklich enttäuscht von ihrem Tanzpartner, sondern irgendwie immer nur amüsiert oder spielt Enttäuschung oder Frust vor. Wenn sie ein bestimmtes Thema zu vertanzen haben, dann stellen sie das manchmal theatralisch, mit Kostümen usw., in den Einspielfilmchen dar, welche dadurch besonders charmant, unterhaltsam und nicht selten auch herrlich albern sind. Sie sorgt also hier schon für die so notwendigen Sympathie-Vibes bei den Zuschauer*innen. 

Aus den wenigen Fernsehminuten, die ich immer nur habe, um sie zu beobachten, entwickelte ich die Theorie, dass sie „aus ihren Partnern heraus“ unterrichtet. Sie versetzt sich nicht nur mental, sondern auch intuitiv in deren Körper, sieht dadurch, was demjenigen schwerfällt, was ihm wehtut, wo seine körperlichen, aber auch mentalen Begrenzungen einerseits und seine Fähigkeiten und Potenziale andererseits liegen. Und aus diesen – auch sehr intuitiven – Erkenntnissen heraus entwickelt sie äußerst kluge Trainingseinheiten und Choreografien. Wenn der Schwierigkeitsgrad zu gering ist und sie als Paar diesbezüglich nicht vor der Jury punkten können werden, dann weiß sie eine besonders kreative, unterhaltsame Show zu erstellen, die die Zuschauer*innen abholt und die sie dann mit Anrufen doch noch nach vorne voten. Simon Gosejohann, ihr diesjähriger Tanzpartner, fasst es sehr schön in Worte: Kurz vor der Verkündigung, wer mit wem tanzen wird, wurde er nochmal gefragt, mit wem er denn gerne tanzen würde, und er sagte sinngemäß: „Ekat wäre natürlich super, denn sie hat schon viele wenig tanzbegabte Männer erstaunlich viele Wochen durch die Sendung geschliffen.“

Spaß im Training: Ekat zeigt, wie und wo Simon sie ruhig anfassen darf.

Ich will mehr wissen!

Meine Theorie steht auf dünnem Fernsehminuten-Eis. Ich würde so gern mal Mäuschen spielen bei den Ekat-Trainings. Da mich der Prozess interessiert, würde mir nur eine Trainingseinheit für den von mir angestrebten Erkenntniszugewinn natürlich nicht reichen.

Ich habe immer das Gefühl, dass „ihre“ Männer ab spätestens Trainingswoche drei oder vier anfangen zu genießen, ihre Körper über das Tanzen neu kennenzulernen. Einige – wie Pascal Hens oder Mathias Steiner – sind ja Profisportler gewesen, aber einfach nur Ehrgeiz und Willenskraft sind nicht genug, um das zu erreichen, was Ekat bei ihnen herausholt. Ich hatte das Gefühl, dass sie „aufgingen“, dass sie sich öffneten und dass sie so immer mehr ihre Körper „begriffen“, und das brachte ihnen Freude. Ingo Lück zum Beispiel, mit dem sie 2018 gewann, strahlte diese unbändige Freude über dieses neue Körpergefühl aus. Hier wurde mir spätestens auch bewusst, dass viele Promis nicht hauptsächlich wegen des Geldes (ich habe keine Ahnung, wieviel man für die Teilnahme bekommt) oder wegen Aufmerksamkeitszugewinn mitmachen; ich glaube tatsächlich, viele nehmen aus purer Lust an der (Körper*innen-)Erfahrung teil. 

Wie schafft sie es, die Männer in so kurzer Zeit mit ihren Körpern bekanntzumachen? (Nicht unwichtig übrigens, damit auch die Männer aus dem Patriarchat aussteigen wollen!) Wirklich… ich wäre so gern mal Mäuschen. 

In der dritten Woche ist Salsa dran: Die Körperhaltung bei Simon hat sich insgesamt nach drei Wochen Training deutlich verbessert.

Ihre Choreografien

Es gibt noch mehr, was ich an ihr mag: ihre Choreografien gehören zu den unterhaltsamsten der Show. Und es ist ihr dabei ganz und gar nicht wichtig, dass sie immer hübsch, sexy oder wunderschön aussieht. Schon öfter stand sie in all ihrer Freude in Kostümen wie dem von Prinzessin Fiona aus dem Shrek-Film. War es sogar da oder ich weiß nicht mehr wann, als ihre Zähne während der Empfangnahme der Jury-Kommentare – und das sind einige Minuten! – komplett mit grüner Farbe vollgeschmiert waren. Einmal war ihr Lippenstift komplett „verrutscht“ nach dem Tanz. Und auch ihre Haare waren einmal sehr verstrubbelt, und minutenlang stand sie so im Kameralicht. Ich glaube, ihr ist sowas egal, sie steht da komplett drüber. Ich liebe Frauen, die sich ihrer Schönheit so gewiss sind, dass sie völlig schambefreit und mit großer Freude in lächerliche, unvorteilhafte Kostüme und Rollen schlüpfen können und kein Problem damit haben, auch mal in sehr unvorteilhaftem Licht zu stehen. Mei… wird sie sich denken… irgendwann kommt eh der Tango. Und Tango Baby… wird ssssupersupersupersexy und ich werde ssssupersupersuperhot aussehen.

Tango-Choreos von Ekat mit etwas begabteren Promi-Tänzern (bei nicht so begabten wird es allerdings auch eher eine witzige Choreo)… oh. my. goodness. Das ist eine Klasse für sich. Es werden immer andere Profitänzer*innen für die beste Tango-Choreo der Saison gelobt, aber für mich ist Ekat forever and ever meine Tangoqueen. Immer passiert irgendwas komplett Atemberaubendes. Bei ihr sind es selten die großen Gesten; sondern eher die Übergänge, die vielen Feinheiten; ganz besondere, eher kleine Bewegungen. In diesen sieht man, wie präzise sie mit den Männern körper-arbeitet. Und bei allen Göttinnen: sie kennt die Wirkung jeder dieser kleinen Bewegungen, und weiß sie absolut in Szene zu setzen. Der Tango mit Gil Ofarim wird für mich wahrscheinlich immer der beste und hotteste Tango aller Zeiten bei Let’s Dance bleiben (jaaa, für mich besser als Rúrik und Renata!! ;). 

Ihr Geburtstag

Ekat hat am 23. April Geburtstag. Seit 12 Jahren also feiert sie mit ihrem jeweiligen Tanzpartner beim Training Geburtstag. Diese kommen dann – das sieht man in den Einspielfilmchen – mit einer Torte, Luftballons oder Blumen in den Trainings-Tanzsaal. Es muss schon irgendwie witzig sein, diesen Tag immer mit Menschen zu feiern, die sie noch ein paar Wochen zuvor nicht oder kaum kannte, mit denen sie aber zu dem Zeitpunkt schon sehr zusammengewachsen ist durch das gemeinsame Tanz-Training. Im Grunde weiß sie bis wenige Wochen vor ihrem Geburtstag nie, mit wem sie ihn verbringen wird.

Wegen ihr habe ich nun einen Insta-Account

Letzte Woche habe ich mir wohl oder übel einen Insta-Account gemacht, um ihr ein bisschen folgen zu können. Sie postet nicht viel. Sehr angenehm. Aber zuvor „kannte“ ich sie wirklich nur vom Freitagabend. Einmal habe ich sie beim Fernsehprogramm-Durchzippen in einer Back-Show gesehen, und ich weiß auch, dass sie letztes Jahr bei „Supertalent“ als Jurorin dabei war, aber das Format interessiert mich leider gar nicht, auch wenn ich ihr zuliebe mehrmals versucht habe, dabei zu bleiben. Ihr Talent, ihre Kreativität und ihr Sparkle kommen da irgendwie nicht raus, das langweilt mich. 

Ihre Freundinnenschaft

Einmal sah ich eine kurze Reportage darüber, wie sie und ihre Profitanz-Kollegin Mariia Maksina Freundinnen geworden sind, sodass sie sogar etwa sechs Jahre in einer WG zusammenlebten. Mariia ist zehn Jahre jünger. Sie kam als 12-Jährige nach Deutschland – wenn ich mich recht erinnere, allein, also ohne Eltern (ich kann das nicht verifizieren, also die Info bitte mit Vorsicht genießen), um Profitänzerin zu werden. Ekat hat ihr geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Es war für Ekat selbst am Anfang sicher auch nicht einfach, in Deutschland anzukommen und sich diese Art von Leben aufzubauen. Die mittlerweile sicherlich auf Gegenseitigkeit beruhende Unterstützung unter den beiden Freundinnen finde ich einfach sehr sympathisch. 

Zwei Jahre Ekat-los

Wie verknallt ich in sie bin, merkte ich 2020 auf die harte Tour. Ich fand es mega, dass Let’s Dance während der Corona-Zeit weitermachte. Es waren die wenigen freudig und sozial aufgeladenen Highlights der Woche. Mit ein paar Freundinnen und ihren Familien verbanden wir uns am Freitagabend via Skype, brezelten uns alle auf, auch die Kinder zogen Party-Outfits an, wir machten Popcorn und Mojito und quatschten in den Werbepausen. 

Was ich aber zum Start von Let’s Dance 2020 noch nicht wusste, war, dass Ekat nicht dabei sein würde, nachdem sie zuvor dreimal hintereinander gewonnen hatte. Ich realisierte ihr Fehlen erst, als alle Profitänzer*innen und ihre Partner*innen vorgestellt worden waren. Ich war zuerst verwirrt und sprachlos, und dann empört! Für Wochen war ich hochgradig beleidigt und litt unter Phantomschmerzen. Ich wollte Let’s Dance sogar ghosten. Aber das ging nicht, es brachte einfach – trotzdem – zu viel Freude in die ganze Familie in dieser krassen Zeit, in der wir im und am Haus festgetackert waren. 

Ich stellte wüsteste Theorien auf, warum sie nicht dabei war; leider konnte ich nirgends Gründe finden; bis heute nicht. Keine Ahnung, was für weirde , mafiös-eske Verschwiegenheitsverträge es da gibt á la „Sag nichts, sonst darfst du nie wieder in der Let’s Dance-Familie dabeisein!“ Meine Vermutung ist, dass sie in der Produktion Angst hatten, dass sie auch ein viertes und fünftes Mal gewinnen wird; einfach, weil sie so gut und mittlerweile so beliebt ist. Zwei Jahre dauerte diese Durstphase, dann stand sie zu meiner großen Freude im Jahr 2022 strahlend und sympathisch wie eh und je wieder auf dem Parkett. Mein Herz ging auf.

Wie das wohl wäre: Ekat und ich

Als Zuschauerin überlegt man sich ja immer so ein bisschen, wie man selbst auf dem Tanzparkett aussehen würde und mit wem man gern tanzen würde. Für mich war immer klar: nur mit Ekat oder gar nicht

Wir beide als Tanzpaar: am liebsten träumte ich davon, wie wir diese Einspielfilmchen erstellen, wie unsere albernen Vibes und unserer Kreativität dabei zusammenfließen. 

Das Tanzen… naja. Ich habe wirklich den allerhöchsten Respekt vor den Promi-Laientänzer*innen, wie sie es schaffen, in einer einzigen Woche oft superkrasse Choreos einzustudieren. Ich verstehe nicht, wie deren Kopf und Körper*in in so kurzer Zeit so derartig zusammenspielen können. Ich wäre ein Riesendesaster, ich kann Kopf und Körperin nicht so schnell über Rationalität und Gedächtnis (Schritte merken usw.) zusammenbringen. Denn leider steht beim Tanz-Erlernen erstmal nicht die Intuition im Vordergrund.

Letztes Frühjahr wollten mein Mann und ich einen zweiten Anlauf nehmen, um einen Anfänger-Salsa-Tanzkurs zu machen, damit wir mal „richtig“ lernen, Salsa zu tanzen und nicht nur Caribbean Style (Jorge Gonzáles weiß, was wir damit meinen ;). Doch schon nach einer Tanzstunde hatten wir keinen Bock mehr: so viel Technik schon in den Grundschritten! Ich glaube, vor allem ich konnte auch bei diesem zweiten Lern-Versuch mein falsches Mindset nicht ausschalten: ich dachte, wir können die Tanzstunde in ein romantic date für uns verwandeln, aber das war wirklich sehr falsch gedacht! Peinlich zuzugeben, aber ich bin sogar schon zehn Minuten früher aus dem Unterricht raus, da ich einfach nix kapierte und auch in den letzten Minuten kein Durchbruch mehr zu erwarten war. Ich war so frustriert und kam mir so dumm vor! Ich kenne und fühle Salsa wirklich sehr! Wie gesagt (in Part 1), Salsa war quasi inoffizieller Trauzeuge bei unserer Eheschließung!

Ich weiß, dass diese Gedanken und Gefühle kindisch und unreif sind, aber welche Person hat nicht ihre Gebiete im Leben, in denen sie so fühlt?

Meine Beziehungsweise mit Salsa

Aber gut, ich bin ja bereit, erwachsen zu werden in Salsa-Belangen. In mir rumort es: ich will Salsa einerseits nicht lernen, weil es eigentlich reicht, was ich weiß und kann und vor allem fühle dazu, und der emotional load ist heavy! Meine Beziehungsweise zu Salsa ist sehr speziell und begann auch nicht erst beim ersten Date mit meinem Mann: Salsa gehört seit früher Jugend zu meinem Heimatgefühl; Salsa ist tief, sehr tief emotional in mir verwurzelt. Salsa war der treibende Motor für meine vielen Reisen und Aufenthalte in Südamerika. Ich habe das Gefühl, die Musik war „angelegt“ in mir, bevor ich sie kannte. Und als ich sie dann das erste Mal als Jugendliche bewusst hörte, „erkannte“ ich sie in gewisser Weise nur wieder; so, als erwachte sie aus einem tiefen Schlaf in mir. All das – auch das, was ich mit meinem Mann, unsere Liebe zu Salsa betreffend, teile – könnte genug sein.

Vielleicht ist es nur wieder der Wassermann in mir, der gleichzeitig den Wunsch in mir wachhält, doch noch alles über Salsa zu wissen und zu erfahren; und zwar auch das, was mir fehlt, nämlich das „Verstandesmäßige“ und „Technische“ (Schritte zählen und richtig ausführen, Choreo lernen, Gedächtnis anmachen usw.). 

Ekats Aufgabe würde vielmehr darin bestehen, „meinen Salsa“ aus diesem tiefem Ur-Gefühl in eine Rationalität zu führen, ohne dafür meine Salsa-Wurzeln abschneiden zu müssen… oder… ohne dafür eine ganz neue Salsa-Pflanze züchten zu müssen. Damit sie das schafft, bräuchte sie ganz sicher ihre witchy Trainingsfähigkeiten. Ob ich letzten Endes dieses vertechnisierte Salsa-Lernen überhaupt brauche zum Glücklichsein? Ob es mich weiterbringt im Leben? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich – wenn überhaupt – auf einen dritten und letzten Versuch nur gemeinsam mit Ekat Lust hätte. 

Choreografien zu „Frauen in Beziehungsweisen miteinander“

In den Freitag-Nächten nach den Shows passiert oft Folgendes: mir schießen viele Choreo-Ideen und dazu passende Lieder in den Kopf, wobei mich diese ganzen, in mich einstürzenden Inspirationen nicht selten um den ganzen Nachtschlaf bringen. Diese Sendung setzt in mir eine bisher ungekannte Kreativitätsenergie frei, die relativ ungenutzt bleibt. Ich glaube, ich liebe Choreografieren, ohne die geringste Ahnung davon zu haben. In einem anderen Leben… hätte ich das früher gewusst… wer weiß. Jedenfalls stelle ich mir dann vor, wie ich mit Ekat meine Ideen teile und wir dann alle unsere Ideen besprechen, miteinander vereinen und umsetzen könnten, und wie cool das wäre, weil sie das technisch-künstlerische Know-How hat und genau weiß, wie man gewisse Effekte herausholt und Bewegungen kombiniert, um gewisse Botschaften rüberzubringen. Ich kann mir vorstellen, dass auch sie das spannend fände: den female gaze (zum male gaze siehe Part 1) noch bewusster zu entwickeln und zu zelebrieren.

Ich hätte zum Beispiel viele Ideen bezüglich des Themas „intensive oder spannende, auch spannungsgeladene Beziehungen zwischen Frauen“ ohne sexuellen Sparkle. „Freundinnenschaft“ gehört dazu. Wenn Freundinnenschaften in Filmen, Serien usw. thematisiert werden, dann fast ausschließlich über Sprache (Streit zwischen den Freundinnen, intime Gespräche, sowas). Das liebe ich auch, aber es ist eben sehr „verbal-kommunikationslastig“.

Ich denke, viele Beziehungsweisen, viele interessante Momente zwischen Frauen könnten auch über körperliche Berührungen, Bewegungen usw. ausgedrückt werden und würden Menschen anders – vielleicht tatsächlich tiefer – berühren als Worte. Das wird sicher auch in Tanztheater usw. schon gemacht, keine Frage. Aber im sogenannten Mainstream habe ich das noch nicht gesehen. Und das wäre spannend, weil vorsprachliche Berührungen wiederum die Suche nach neuer Sprache anregen können. 

Drei imaginäre Versionen: zwei des Scheiterns, eine der Freude

Als imaginäre Laientänzerin an Ekats Seite spiele ich immer wieder drei Varianten durch. 

Variante eins: ich als Rampensau, das Publikum liebt und feiert uns von Woche zu Woche mehr, wir werfen immer krassere Kunst auf das Parkett, unsere Choreografien werden immer gewagter, und wir kommen weit in der Show. Das Gewinnen ist mir nicht wichtig; ich will nur viele „philosophische Ideen“ in Tanz übersetzt bekommen; darum ginge es mir vor allem. 

In der zweiten Variante bestehe ich den „Reality-Check“ nicht – ganz im Sinne meiner negativen Salsa-Tanzkurs-Erfahrungen. Ich bin meist down, heule, bin wütend auf mich und die Welt und fühle mich dumm, weil ich mir keinen einzigen Schritt merken kann. Aber insgesamt bin ich noch okay, lerne ich dank Ekat doch irgendwann die Basics. Auf der Bühne jedoch bekomme ich vor Aufregung jedes Mal Blackouts. Alle Schritte weg, ausgelöscht, das pure Vakuum! So verhielten sich jedenfalls früher bei Auftritten ziemlich oft mein Akkordeon und ich miteinander: beim Üben waren wir zwei big love, ein Herz und eine Seele, aber auf der Bühne gab es immer Blackouts und/oder Verspieler ohne Ende. Ich glaube, ich bin keine Rampensau. In dieser Version tut mir Ekat immer leid. Ich schäme mich und entschuldige mich viel bei ihr, dass ich ihr so ein frühes Aus bringe. 

Es gibt noch eine dritte imaginäre Version. In dieser bin ich, sind wir, gar nicht so schlecht, aber die Leute checken nicht, warum wir zwei zusammen tanzen. Erstens: Ich sei doch gar kein Promi! Ja, da haben sie natürlich recht, meine Auswahl für die Show kann ich mir tatsächlich selbst auch schlecht erklären, nicht mal in meiner Fantasie ;).

Der zweite Punkt aber geht tiefer: Ich hatte im ersten Teil einiges über die „gefährliche sexuelle Anziehungskraft“ beim Tanzen gesprochen. Let’s Dance zeigt aber viel öfter, dass Tanzen nicht immer sexuell aufgeladen sein muss, dass für Intimität und aufrichtige Zuneigung kein erotischer Funke zwischen einem Tanzpaar sprühen muss. Wenn also positive Gefühle zwischen einem Mann-Frau-Tanzpaar sehr oft „platonischer Art“ sind, und wir als Zuschauer*innen damit total zufrieden sind, ist für viele dennoch nicht verständlich, warum zwei Heteras zusammen tanzen sollten, weil: mit welchem Mehrwert, wenn es doch das Ziel ist, im Tanz das „Potenzial zur Erotik“, oder das „Potenzial zur romantischen Liebe“ darzustellen?

Wahrscheinlich ist hier eine Differenzierung zwischen dem Tanzpaar und den Tänzen angebracht: in fast allen Standard- und Latein-Tänzen müssen romantic vibes rüberkommen; das heißt, das Tanzpaar muss sie verkörpern, auch wenn sie in real life keine romantischen oder erotischen Gefühle füreinander hegen. Vom Tanzpaar muss es also im Grunde eine „schauspielerische Übersetzung“ geben im Moment der Tanzpräsentation; und seien wir ehrlich: auch im Training muss diese Übersetzung immer mitgedacht, mitgefühlt werden. Denn die Illusion einer romantischen Liebe (beispielsweise bei Walzer, Drive, Rumba) oder eines starken sexuellen Magnetismus (beispielsweise bei Tango, Paso Doble, Salsa) muss kreiert werden. Und diese Illusion nehmen viele einem Mann-Frau-Hetero-Paar vielleicht eher ab. 

Ist die Illusion also von vornherein „kaputt“ oder unmöglich, wenn zwei Heteras miteinander tanzen? Braucht die Imagination des Publikums also doch irgendwie die klitzekleinste Aussicht darauf, dass wir auch in real life in eine romantic love-story fallen? Und wenn das geforderte Output der Tänze schon klar ist, dann frage ich mich auch selbst: Warum will ich das überhaupt? Welchen Mehrwert sehe ich darin, dass zwei Frauen ohne erotischen Vibe zwischen sich „patriarchale Tänze“ tanzen, in denen es vibe-mäßig knirschen und knacken muss? Ist überhaupt etwas Neues in den Tänzen entdeckbar, wenn diese Vibes in ihrer Struktur vorgegeben sind? Das sind gute Fragen. Ich kann nur wieder von mir selbst ausgehen: ich hätte Lust, das herauszufinden. Das erkenne ich daran, dass meine Kreativität ständig wie ein übermütiger Motor anspringen will und dann aber wieder abgewürgt wird. Und alles weitere würde sich im Prozess herausstellen. 

Praktische Heranführung an Kunst

Das Gefühl, dass ich mit Ekat vielleicht doch noch Salsa lernen könnte, bringt mir noch diesen Gedanken: Natürlich handelt es sich bei Let’s Dance nicht um eine Tanzkompanie á la Pina Bausch, Sasha Waltz, William Forsythe oder auch Gouthier Dance (in Stuttgart ansässig, gehe ich gern hin), und auch nicht um El Colegio del Cuerpo, das ich in meiner Zeit in Cartagena kennen- und lieben gelernt habe.

Ich glaube aber, was die Aktivierung von eigener „Kunstlust“ in unseren Körper*innen angeht, verändert auch Let’s Dance das Körper*innenbewusstsein der Zuschauer*innen; vor allem erstmal das potenzielle und imaginäre. 

Sich mit der eigenen Körper*in auseinanderzusetzen, führt in die Kreativität, in die Kunst. Um einen langsamen Walzer oder eine Rumba überhaupt nur tanzen zu wollen, muss sich die Person verletzlich zeigen wollen, muss sie Grenzen überschreiten wollen, die sie zuvor vielleicht immer gewahrt hatte. Mit diesen Öffnungen hin zur Lust an neuen Körper*innenwahrnehmungen lädt man die Kreativität auf neue Weisen in Körper*in und Bewusstsein ein. 

Ich bin ja der Meinung – und darüber schrieb ich schon in meiner Kunst-Reihe, vor allem in Teil 4 – dass Menschen aus der Rationalität mehr ins Gefühl und in die von der Körper*in geführte, „automatische Kreativität“ kommen sollten. Wenn eine Person Freitagabend vor Let’s Dance sitzt und irgendwann unruhig auf dem Sofa rumzappelt und sich zu fragen beginnt: „Wie würde ich mich schlagen, wenn ich dabei wäre?“, „Welchen Tanz würde ich am liebsten lernen?“, dann ist bereits ein kleiner „Kunst-Aktivierungs-Funken“ übergesprungen. Und auch, wenn Tanz sich am Ende doch nicht als das eigene Metier herausstellen sollte, so enthält jede Freude, jede kurze Imagination immer das Potenzial der Lust auf andere künstlerische Betätigungen in sich. 

Für dieses Jahr ist ausgetanzt

Die nierdrigste Punktzahl des Abends: hier deutete sich das Drama schon an.

Nun hatte ich diese Reihe extra so gepflanzt, dass die Chance für interessierte Leser*innen besteht, mal in die Show reinzuschauen. Das kann man natürlich auch, aber für meinen Crush und ihren Tanzpartner hat es sich letzten Freitag (20.03.2026) ausgetanzt.

Ich habe bei Simon die vielen kleinen Verbesserungen gesehen, vor allem in der Haltung. Ich hätte den beiden gern noch eine Weile weiter zugeschaut. Vielleicht war Simon ein besonders „bewegungs-harter“ Brocken, aber wie ich immer sage: Ekat muss es über die ersten 3-4 Shows schaffen, damit sich ihre Arbeit für mehr Zuschauer*innen in sichtbaren Resultaten zeigt. Nun ja. Das bedeutet auch für mich, dass meine „Lernzeit von Ekat“ wieder vorbei ist für dieses Jahr. Schade.

Meine Verknalltheit für dieses Jahr klingt also bereits langsam ab. Ich hoffe, dass ich sie nächstes Jahr wieder hochfahren darf. 

Traurige Nachricht auf der Instagram-Seite von Let’s Dance

***

Extra Zugabe-Schmankerl: Fetzen aus dem Gespräch vor der Jury:

Simon: “Jorge!! Ich kann jetzt laufen!!” (Führt seinen “neuen Laufstil” vor, Publikum brüllt vor Lachen.)

(…)

Llambi: “Eins habe ich festgestellt: die Ekat kann doch nicht zaubern. (Pause, Publikum buht) Weil sonst hätte ja der Rúrik dann dagestanden.”

Ekat: “Das ist Rúrik aus Gütersloh! Deutsche Qualität!”

Llambi: “Deutsche Qualität und Wertarbeit! Wertarbeit!”

Ekat: “Ja. Quadratisch, praktisch, gut.”

(…)

Llambi: “Er hat.. er hat… ein bisschen Hüfte hat er gehabt.”

(… Simon führt seine very special Hüftbewegung vor… Jorge, Motsi, das Publikum lachen)

Llambi: “Was ist das? Was soll das sein? Was machst du da? Was haste das Bein denn da hinten stehen?”

Simon: “Es gilt ja erstmal, die Hüfte zu finden. Das ist mir ja gelungen. Dann aber auch noch die Richtung der Hüfte! Das ist dann…”

Llambi: “Schon wieder das Bein da hinten!”

Daniel: “Das Bein hängt halt an der Hüfte dran, Herr Llambi!”

Motsi: “Eins muss ich gesagt haben: Ekat, du bist eine Königin! Magic! Magic!”

Llambi: “Ja! Leidensfähig auch!”

Motsi: “Wie du schauspielern kannst, wirklich, das finde ich bezaubernd! Und wie du zeigst, mit allen Leuten kann man was draus machen! Und das ist super! Simon: Jeder auf dieser Welt ist auf seiner eigenen Reise. Du auch! Du hast auch deine eigene Geschwindigkeit. Ich bin immer jemand, der guckt, dass die Flasche halb voll ist. Du hast deine Haltung verbessert. Ich sehe es. Du hast jetzt ein bisschen mehr Koordination. Ich sehe es. Du kannst jetzt so auch richtig auf der Stelle am Platz dich bewegen. Das ist super!” (Publikum tost vor Lachen)

Jorge: “Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwierig das ist für dich. Nein, Simon, ich meine nicht dich, ich meine Ekat: Ekaterina hat ihre Hüfte nicht bewegt. Weißt du, ich habe geschaut: Wie kann Ekaterina es schaffen, die Hüfte nicht zu bewegen? Du hast versucht, dass wir wirklich sehen können, diese Bewegung, was er hat, zu präsentieren. (…) (An Simon gewandt:) Deine Füße gehen nach vorne, nach hinten… wirklich… das ist wirklich Kunst. Und der Unterhaltungsfaktor ist hier (hält die Hand über seinem Kopf). Und noch eine Sache: Du blamierst dich nicht!”

Daniel: “Das wäre ja noch schöner!”

Jorge: “Nein wirklich, du blamierst dich nicht! Du bist ein ganz toller Komiker.”

***

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