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Rubrik Blitzlicht

Sportliche Übung zum Jahresende oder: Gibt es ein gutes Ende?

Von Maria Coors

„Ich bin nicht gut mit Abschieden“, sage ich manchmal über mich, sage ich manchmal auch zu anderen Menschen. Und das ist so wahr wie irgendwie auch trivial. Ist da überhaupt jemand gut drin? Wenn man „gut“ sein könnte mit Abschieden, dann müsste man ja auch „besser“ werden können, dann müsste man es üben können. Wenn man es üben kann, dann müsste es doch möglich sein, das gute-Enden-üben zu operationalisieren. Dann könnte man z.B. üben: Sich selbst (und andere) auf Abschiede vorzubereiten. Üben, Beziehungen so zu leben, dass das Ende mitgedacht ist. Geht das? Vielleicht viel konkreter: Üben, sich gut zu verabschieden. Üben, das Gewesene wertzuschätzen. Üben, nichts schuldig zu bleiben. Oder vielleicht auf einfach: Akzeptanz dafür üben, dass es endet.

Gelegenheiten zur Übung von all dem gibt es viele und ich habe schon einige wahrgenommen. Der Satz am Anfang bleibt trotzdem wahr. Ich kann nicht erkennen, dass ich bislang wesentlich besser geworden bin. Vielleicht lässt es sich auch einfach nicht umdrehen. Für mich ist das wie Sport machen: Üben geht, ja, aber besser werde ich davon meistens nicht. Worin ich vielleicht doch ein bisschen besser geworden bin: Ich kann inzwischen ein bisschen besser üben. Das macht mir manchmal (manchmal!) sogar Spaß. Aber gut bin ich weder im Sport noch mit Abschieden.

In diesem Sinne, geh ich jetzt eine Runde in die Lieblingsmuckibude – die, die im Advent immer überall Plätzchenteller aufstellt – und wünsche euch möglichst viel Spaß bei den Abschiedsübungen vom alten Jahr. Ich verspreche euch kein Happy End, aber ich wünsche euch einen guten (neuen) Anfang!

Autorin: Maria Coors
Redakteurin: Maria Coors
Eingestellt am: 07.12.2025

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Liebe Maria
    mein Hund liebte Begrüssungszeremonien, wenn wir durch einen Bahnhof gingen, nahm er mit grosser Freude auch an den Begrüssungen Fremder teil. Wenn ich mich zu Hause von ihm verabschiedete, stand er nicht mal auf. Da ich schon vorher Abschiede nicht mochte, lernte ich schnell von meinem klugen Hund, diesem unangenehmen Ritual noch mehr aus dem Weg zu gehen.
    Davon ausgenommen sind endgültige Abschiede, das kann sehr wichtig und gut für uns sein. Doch auch hier denke ich, dass es besser ist keiner Regel zu folgen, sondern dem Herzen.
    Gabriele Schärer

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