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Rubrik Blitzlicht

Unsere Demokratie braucht nicht noch mehr von allem

Von Juliane Brumberg

Letztens hatte ich endlich die Muße, mir den Film „Die Unbeugsamen 2“ anzuschauen. Ein Film über starke Frauen in der DDR, die mich sehr beeindruckt haben. Am meisten hängengeblieben sind aber zwei Zitate aus dem Film:

Frauen wollen Menschen werden, Männer wollen was erreichen. (Maxie Wander)
Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn. (Irmtraut Morgner)

Foto: Alexander Hauk/Pixelio

Das kann man wörtlich nehmen oder ironisch interpretieren. Für mich hat es auch was mit dem Zustand unserer Demokratie zu tun. Tatsache ist, den Menschen in Deutschland geht es relativ gut, gleichzeitig leben wir alle über unsere Verhältnisse. Wir müssen uns einschränken. Die meisten Menschen wissen das, könnten es ohne schlimme Verluste und viele wären auch dazu bereit, wenn man es ihnen plausibel vermittelt. Aber was tun die Parteien respektive die Politiker und Politikerinnen? Sie versprechen uns das Blaue vom Himmel herunter und eiern herum. Weil sie feige sind und weil sie wiedergewählt werden wollen. Damit verkaufen sie die Wähler und Wählerinnen für dumm. Was wir brauchen, sind intakte Schulen, funktionierende Kanalisationsanlagen, die Sanierung von einsturzgefährdeten Brücken, ein gutes Bahnnetz usw. Es kann nicht mehr jedes Kreiskrankenhaus erhalten werden, jede Kleinstadt ein eigenes Theaterensemble haben, jede Umgehungsstraße mit großzügigen Anbindungen gebaut und jede Beamtenpension erhöht werden. Doch niemand traut sich, das zu sagen. Kaum bringt jemand das ein oder andere ins Gespräch, gibt es einen Aufschrei – in den Medien mehr als bei den einzelnen Menschen. Die Politiker rudern zurück und schieben das, was nötig ist, auf die lange Bank. Weil sie sich nicht unbeliebt machen wollen. Doch wie wir an dem Wahlverhalten sehen, haben sie sich vielleicht gerade dadurch unbeliebt bzw. unglaubwürdig gemacht. Mehr Realismus, mehr Ehrlichkeit und die Bereitschaft, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen sowie schmerzhafte Einschränkungen mit Umsicht und Klarheit umzusetzehn, würden unserer Demokratie gut tun.

Autorin: Juliane Brumberg
Redakteurin: Juliane Brumberg
Eingestellt am: 12.10.2025
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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Ja, bitte, es würde Freude bringen. Die Menschen sind bereit – die Politiker sind es leider nicht gewohnt, zuzuhören oder gar im Kontakt zu sein. Wünschen wir es uns feste!

  • Elmerin sagt:

    Kreiskrankenhäuser schliessen? Theaterensemble auflösen? Damit die Basisaufgaben des Staates, intakte Schulen, funktionierende Kläranlagen, Sanierung von Brücken, ein gutes Bahnnetz finanziert werden? Wie wäre es mit einem Verzicht auf Waffen kaufen, produzieren, in Kriegsinfrastruktur investieren etc.? Wo genau liegt der Grössenwahn?

  • Jutta Pivecka sagt:

    Liebe Juliane, Danke für diesen Text. Ich stimme dir zu. Statt Prioritäten zu setzen und das Gemeinwohl ins Zentrum zu stellen, geht es überall nur darum, Gruppeninteressen zu befried(ig)en. Jeder kleinste Einschnitt in solche Interessen wird skandalisiert. Ich glaube allerdings nicht, dass dies „nur“ der Charakterschwäche von Poltikerinnen und Politikern geschuldet ist, sondern es scheint mir strukturell Folge unserer Form von parlamentarischer Parteiendemokratie im entwickelten Stadium zu sein. Viele Bürgerinnen und Bürger begreifen selbst die Politik als Vehikel zur Durchsetzung ihrer Partikularinteressen und haben keinerlei Interesse am Ausgleich und an Gemeinwohl, außer wenn sie diese Begriffe für ihre persönlichen Interessen nutzen können. Gerade kann ich das gut am Beispiel Fluglärm in der Rhein-Main-Region beobachten.

    Allerdings weiß ich auch keine realistische bessere Alternative.

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