Forum für Philosophie und Politik
Von Juliane Brumberg
Letztens hatte ich endlich die Muße, mir den Film „Die Unbeugsamen 2“ anzuschauen. Ein Film über starke Frauen in der DDR, die mich sehr beeindruckt haben. Am meisten hängengeblieben sind aber zwei Zitate aus dem Film:
Frauen wollen Menschen werden, Männer wollen was erreichen. (Maxie Wander)
Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn. (Irmtraut Morgner)

Das kann man wörtlich nehmen oder ironisch interpretieren. Für mich hat es auch was mit dem Zustand unserer Demokratie zu tun. Tatsache ist, den Menschen in Deutschland geht es relativ gut, gleichzeitig leben wir alle über unsere Verhältnisse. Wir müssen uns einschränken. Die meisten Menschen wissen das, könnten es ohne schlimme Verluste und viele wären auch dazu bereit, wenn man es ihnen plausibel vermittelt. Aber was tun die Parteien respektive die Politiker und Politikerinnen? Sie versprechen uns das Blaue vom Himmel herunter und eiern herum. Weil sie feige sind und weil sie wiedergewählt werden wollen. Damit verkaufen sie die Wähler und Wählerinnen für dumm. Was wir brauchen, sind intakte Schulen, funktionierende Kanalisationsanlagen, die Sanierung von einsturzgefährdeten Brücken, ein gutes Bahnnetz usw. Es kann nicht mehr jedes Kreiskrankenhaus erhalten werden, jede Kleinstadt ein eigenes Theaterensemble haben, jede Umgehungsstraße mit großzügigen Anbindungen gebaut und jede Beamtenpension erhöht werden. Doch niemand traut sich, das zu sagen. Kaum bringt jemand das ein oder andere ins Gespräch, gibt es einen Aufschrei – in den Medien mehr als bei den einzelnen Menschen. Die Politiker rudern zurück und schieben das, was nötig ist, auf die lange Bank. Weil sie sich nicht unbeliebt machen wollen. Doch wie wir an dem Wahlverhalten sehen, haben sie sich vielleicht gerade dadurch unbeliebt bzw. unglaubwürdig gemacht. Mehr Realismus, mehr Ehrlichkeit und die Bereitschaft, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen sowie schmerzhafte Einschränkungen mit Umsicht und Klarheit umzusetzehn, würden unserer Demokratie gut tun.
Kreiskrankenhäuser schliessen? Theaterensemble auflösen? Damit die Basisaufgaben des Staates, intakte Schulen, funktionierende Kläranlagen, Sanierung von Brücken, ein gutes Bahnnetz finanziert werden? Wie wäre es mit einem Verzicht auf Waffen kaufen, produzieren, in Kriegsinfrastruktur investieren etc.? Wo genau liegt der Grössenwahn?
Ja, bitte, es würde Freude bringen. Die Menschen sind bereit – die Politiker sind es leider nicht gewohnt, zuzuhören oder gar im Kontakt zu sein. Wünschen wir es uns feste!