beziehungsweise – weiterdenken

Forum für Philosophie und Politik

Neu in "denken"

Gespräch unter Frauen: Wie wir über die Differenz hinweg und durch sie hindurch die Freiheit am Horizont halten können

Jutta Pivecka hat mit einer jungen Feministin über Antje Schrupps neuen Essay “Postpatriarchales Chaos und wie wir mit Feminismus die Freiheit erobern” gesprochen.

Neu in "anschauen"

Das Private ist jetzt öffentlich, total! Und nun? 

Frauen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit: “Strolling actresses stressing in a barn” von William Hogarth, 1738 „Das Private ist politisch!“, skandierten die 68er und die Frauenbewegung griff den Slogan auf, um die Herrschaft des Patriachats in den Familienstrukturen offenzulegen. Politisch zu analysieren waren u.a. Geschlechterverhältnis, Fragen von Liebe und Sexualität, Kindererziehung oder Eigentumsfragen in der Ehe. […]

Neu in "anschauen"

CLOSE ENOUGH – Neue Perspektiven von 13 Fotografinnen der Agentur Magnum 

“Is there such a thing as a ´female gaze´?” – fragt eine Ausstellung des C/O in Berlin, die Fotografie-Projekte von 13 Magnum-Fotografinnen vorstellt. Jutta Pivecka meint: Ja.

Neu in "Blitzlicht"

Qual der Wahl

Winter ist die Zeit fürs Romanelesen. Aber welche? Es gibt einfach sehr, sehr viel Auswahl.

Neu in "lesen"

Zeitgemälde des Bauens in Ost und West

Ein offensichtlich spannendes Buch über die Architektenfamilie Henselmann wird hier vorgestellt.

Neu in "erinnern"

The Two Queens and the King

Isis und Maria: was haben sie gemeinsam? Eine kleine weihnachtliche Reise hin und her zwischen diesen mächtigen weiblichen Figuren eines Archetyps; von der Geburt ihrer göttlichen Kinder bis zum leidvollen Tode und der Wiederauferstehung… und wieder von vorne. Besinnliche Weihnachten wünsche ich!

Ich habe einen Crush auf… eine Frau!

Von Anne Newball Duke

Wir beginnen eine neue Serie!

Das untere Bild im Rahmen ist Jan Vermeers “Dienstmagd mit Milchkrug” mit KI nachempfunden. Das obere, ebenfalls KI-verändert, referiert auf eine Reportage im Zeitmagazin vom 28.06.2018. All die darin abgebildeten Kampfsportlerinnen faszinieren mich derartig und ihr Vibe schenkt mir so viel Energie, dass die Reportage seitdem an meiner Pinnwand hängt.

Ich verknalle mich – unabhängig von meiner heterosexuellen Orientierung – sehr gern und schnell in Frauen. Ich verknalle mich in was sie tun, was sie sagen oder nicht sagen, wie sie sich bewegen, lächeln, wie sie für sich einstehen. Vor allem verknalle ich mich, wenn sie etwas tun, was sie lieben. Wenn sie dieses selbstvergessene Lächeln auf den Lippen tragen, egal wobei: beim Fußballspielen, beim Backen, beim Jagen, beim Eisessen, beim Lachen, beim Denken, beim Albernsein, beim Rechnen, beim Malen, beim Füttern, beim Schreiben, beim Schauspielern, beim Buchführen, beim Ordnen, beim Shoppen, beim Reiten, beim Lesen, beim Kichern, beim Foppen anderer Menschen, beim Versunkensein in was auch immer… beim Glücklichsein in Selbstvergessenheit. 

Wenn ich das Glück habe, ihnen dabei zuschauen zu dürfen, wirkt ihre Freude oft ansteckend auf mich. Dabei ist es egal, ob sie in ganz anderen Gebieten Freude finden als ich. Das weitet dann trotzdem oder gerade deswegen meinen eigenen Resonanzbogen. Ich liebe das. 

Wir möchten in dieser Serie die Frau feiern, die tut, was sie liebt und was ihr Freude bringt. 

Dabei muss ich die Frau, um die es geht, nicht (gut) kennen. Es kann sich um eine Frau des öffentlichen Lebens handeln, die ich also nur aus Kino oder Fernsehen oder so kenne. Es kann sich um eine Frau handeln, die längst nicht mehr unter uns weilt. Es kann sich um eine fiktive Figur handeln. An ihr können Dinge durchgespielt werden, die mich „real“ inspirieren. Ich unterscheide ehrlich gesagt nicht so hart zwischen fiktiv und real; in beiden können die Verknalltheitsgefühle wahr sein. Wer hat nicht einen Crush auf Aschenbrödel aus Drei Nüsse für Aschenbrödel beispielsweise? Oder in Dirty Dancing– Baby/Frances? 

Es kann sich aber genauso gut um die Nachbarin handeln, die immer lächelt, wenn sie im Garten tätig ist. Ich muss die Frau nicht mal sonderlich mögen, sie muss mir auch politisch nicht nahestehen; ich muss lediglich bemerken und zugeben können, dass sie in dieser einen Sache nicht nur sich selbst, sondern auch mich zum Strahlen bringt.

Es geht darum, dass der Vibe der anderen Frau auf mich überspringt. Dass ich unvermittelt losgrinsen oder mit ihr mitlachen muss. Dass ich verzückt lächle, fasziniert meinen Blick nicht mehr abwenden kann und Zeit und Raum für einen Moment vergesse. Diese Verliebtheit zu einer Frau kann viele Jahre oder gar ein ganzes Leben andauern; sie kann aber auch nach drei Sekunden vorbei und trotzdem life changing gewesen sein. 

Ich bin neugierig auf solche Geschichten: wann verknallt ihr euch auf diese herrlich oberflächliche Art und Weise im wortwörtlichen Sinne des „Knalls“ oder des Crushes, des plötzlichen Zerstoßenwerdens durch das Hereinbrechen guter Vibes, ausgehend von einer Frau und ihrer Präsenz und/oder ihres Tuns, und sei es nur ausgelöst durch eine klitzekleine Geste von ihr?

Geben wir diesen kleineren und größeren Crushes hier ganz besondere Aufmerksamkeit und zelebrieren ihn angemessen! Das ist eine Gut-Fühl-Serie, und wenn ihr mitmacht, dann können wir gemeinsam gut viben und uns immer größere Resonanzräume erschwingen! Das ist Feminismus, wie ich ihn mag!

Am 8. März feiern wir unter anderem den Mut von Frauen und ihren politischen Widerstand. Es ist ein Tag der Anerkennung und Wertschätzung der Leistungen von Frauen. Viele Frauenrechte sind hart erkämpft im Angesichte von Schweiß, Kampf und Tränen von Frauen. Es ist hart zuzusehen und zu spüren, wie einfach uns diese Rechte wieder genommen werden können.

Was aber kann uns schwer genommen werden? Unsere Freude, wenn wir Dinge tun, die wir lieben. Es kann auch als politischer Akt angesehen werden, wenn wir uns gegenseitig bewusster in dieser uns je eigenen Freude wahrnehmen, und wenn wir die good vibes verdoppeln, indem wir die Freude der anderen Frau in uns resonieren lassen. Das kann massive gesellschaftliche Transformationen auslösen, da bin ich mir sicher. Ganz geheim in meinem stillen Kämmerlein glaube ich ja, dass das ein sehr effektiver Weg raus aus dem Europatriarchat ist. Zumindest geht es nicht ohne Liebe, Freude und Leidenschaft. Ganz sicher kann ich mich auch in die kämpfende Frau verknallen, aber damit das passiert, muss sie das Kämpfen lieben. So bin ich schon immer verknallt in Rosa Luxemburg und seit Antjes Buch Unter allen Umständen frei auch in Victoria Woodhull!

In welche Frauen verknallt ihr euch wann wie wo warum? Macht mit! Let‘s spread joy! Schreibt über euren Crush und wie er euch für einen Moment oder das ganze Leben verändert hat oder gar weiterhin in euch Glücksgefühle auslöst, an info (at) bzw-weiterdenken.de. Lassen wir Wellen der Freude durch uns und die uns umgebenden Landschaften ziehen!

Ab Montag, den 09.03.26, gibt es auch eine Langversion.

Autorin: Anne Newball Duke
Eingestellt am: 07.03.2026
Tags: , , , , ,

beziehungsweise…

… ist ein Internetforum, das, von Beziehungen unter Frauen ausgehend – daher der Titel – , ein philosophisches und politisches Gespräch ermöglicht. Es ist aus dem Wunsch der Initiatorinnen heraus entstanden, eine Plattform für Ideen zu schaffen, die ausgehend von der weiblichen Liebe zur Freiheit die Welt verstehen und Gesellschaft gestalten. Es bietet eine Möglichkeit, Gedanken zu entwickeln und zu diskutieren, unterschiedliche Projekte und Netzwerke miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen, Informationen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen, neue Ideen zur Welt zu bringen. An diesem Projekt kann sich grundsätzlich jede Frau aktiv beteiligen, die in irgendeiner Weise mit einer der Redakteurinnen oder Autorinnen in Beziehung tritt.

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Illustration: Annekatrin Zint

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